Von Peter Bischoff

Die Artikelserie "Kampf gegen den Krebs" eines ungenannten englischen Wissenschaftlers in der ZEIT wird die uneingeschränkte Zustimmung der überwiegenden Mehrzahl aller verantwortungsbewußten Ärzte finden. In gemeinfaßlicher, wohltuend sachlicher Form und mit englischer Nüchternheit rührt der Autor an eines der Grundprobleme der menschlichen Gesellschaft. Nicht weniger als Krieg, Atombombe und Bolschewismus fürchtet der Mensch des zwanzigsten Jahrhunderts den Krebs.

Deshalb ist es notwendig und gut, wenn von berufener Seite in aller Öffentlichkeit und ohne wissenschaftliche Verklausulierung, ohne Beschönigung, aber auch ohne unfruchtbaren Pessimismus die Probleme diskutiert werden, die Erfolge wie die Rückschläge in diesem Kampf bekanntgegeben, Mißstände, Unzulänglichkeiten und Unterlassungen aufgedeckt werden.

Es ist notwendig, damit das Verantwortungsbewußtsein der Staatsführung wachgerüttelt wird und die Erkenntnis Platz greift, daß die Maßnahmen, Unterstützungen und Hilfeleistungen der öffentlichen Hand bisher völlig ungenügend und unzureichend sind.

Eine Diskussion über diese Probleme ist gut und notwendig, damit der einzelne soviel über den Krebs erfährt und weiß, wie er zum Beispiel über die Verkehrsregeln wissen muß, wenn er überleben will.

Die Krebsangst ist ein Attribut unserer Generation, ebenso wie die Angst, vor dem Tod auf der Straße. Die Publizistik dieses Themas wird deshalb nicht zur Krebspanik führen, sie kann vielmehr dazu beitragen, das Vorurteil von der Unheilbarkeit des Krebses zu überwinden. Sie kann auch, und das ist vielleicht noch wichtiger, die Heilungsquote des Krebses durch Aufklärung direkt günstig beeinflussen. Je früher ein Krebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten. Je fortgeschrittener ein Krebs, desto aussichtsloser wird die Bekämpfung. Das wissen und beachten zwar die Ärzte, aber immer noch nicht genügend die Kranken.

Wenn dagegen die Menschen lernen, ihrem Körper mehr Aufmerksamkeit zu schenken und bei auffälligen Veränderungen, auch wenn sie nicht mit Schmerzen verbunden sind, den Arzt aufzusuchen, so könnten viele Krebsfälle rechtzeitig erkannt und geheilt werden.