Es ist nicht der einzige Weg – Eine "Idee" stellt sich ihren Kritikern

Von Wolfgang Krüger

Kritik zu vertragen, ohne nervös zu werden, ist das Zeichen erlangter Sicherheit. Wer glaubt, einen guten Gedanken zu haben und dennoch nicht böse wird, wenn er auf Widerspruch stößt, dokumentiert damit ein gutes Gewissen. In der Regel dürfte es auch um die Argumente nicht schlecht bestellt sein, die er in der Hinterhand hat.

Es soll hier nicht gesagt werden, daß die "Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Partnerschaft in der Wirtschaft" (AGP) über die von ihr propagierten Praktiken schon zu "letzter Klarheit" vorgedrungen ist. Revolutionäre Gedanken brauchen ihre Zeit, bis sie das Stadium der Reife erreicht haben. Aber allein die Tatsache, daß diese Vereinigung von Praktikern und Theoretikern der innerbetrieblichen Zusammenarbeit, die im Verlaufe ihres nunmehr siebenjährigen Experimentierens weit in politisches Neuland vorgestoßen sind, in den Mittelpunkt ihrer vor einigen Tagen in Bonn abgehaltenen Arbeitstagung ein "Streitgespräch" stellten, und daß sie sich dazu "Opposition" (Prof. Ortlieb von der Hamburger Akademie für Gemeinwirtschaft) zu Gaste geladen hatte, läßt erkennen: man ist aus dem "Schneider" heraus und weiß einigermaßen, was man will. Das Beispiel verdient Nachahmung. Es wird heute bei uns viel getagt. Aber die Tagungen werden – vielfach – immer langweiliger und unergiebiger. Man bleibt fast stets unter sich, und, das klärende Gespräch, das voraussetzt, daß auch die "andere Seite" in den Blick gebracht wird, fehlt. Das Ergebnis sind dann jene meist nicht unbescheidenen Wunschzettel, die der Öffentlichkeit präsentiert werden und die ernst zu nehmen man sich schon deswegen abgewöhnt hat, weil diese Forderungskataloge allzu deutlich den Stempel einseitiger Interessen tragen.

Was ist Partnerschaft?

Nun ist es allerdings sowieso nicht die Aufgabe dieser Arbeitsgemeinschaft, Interessen zu vertreten oder Forderungen anzumelden. Der AGP gehe es gerade umgekehrt um die "Entschärfung" der Interessengegensätze; soweit Forderungen gestellt werden, sind es Forderungen mehr an die eigene Adresse als an die der anderen. Wer dieser Vereinigung als Unternehmer angehört, unterstellt sich und seinen Betrieb einem Kodex, hinter dem recht konkrete Vorstellungen über die "Zusammenarbeit zwischen Kapital und Arbeit" stehen. "Betriebliche Partnerschaft", so ist in den Vereinssatzungen zu lesen, "ist jede durch eine Vereinbarung zwischen Unternehmensleitung und Mitarbeitern festgelegte Form der Zusammenarbeit, die außer einer ständigen Pflege der zwischenmenschlichen Beziehungen eine Mitwirkung und Mitverantwortung sowie eine materielle Beteiligung am Betriebserfolg zum Inhalt hat".

Partnerschaft ist also nicht gleichzusetzen mit "Human Relations". Die Anerkennung des Arbeiters und Angestellten als "Mensch und Person" (und nicht nur als "Arbeitskraft") ist zwar ein wesentlicher Bestandteil des partnerschaftlichen Glaubensbekenntnisses. Sie ist sogar sein eigentliches Credo. Aber die Partnerschaftsunternehmer sind der Meinung, daß es nicht ausreicht, in "menschlichen Beziehungen zu schwärmen", sondern daß die veränderte Einstellung des Arbeitgebers zu seinen Mitarbeitern auch einen sichtbaren materiellen Niederschlag finden muß. Partnerschaft ist aber auch nicht gleichbedeutend mit ,,freiwilligen Sozialleistungen". Die Partnerschaftsunternehmer glauben, daß "freiwillig gewährte Geschenke" eine heute nicht mehr zeitgemäße ("patriarchialische") Geste sind, die nicht mit der Tatsache zu vereinbaren sind, daß der Mensch, und damit auch der Arbeitnehmer, "mündig" geworden ist. Freiwillige Sozialleistungen gehen ins Leere, wenn sie nicht mit festumrissenen Mitbestimmungsrechten verbunden und in einem Vertrag verankert sind.