In der Bundesrepublik haben die privaten Haushaltungen im ersten Halbjahr 1957 durchschnittlich von jedem Hundertmark-Schein ihrer Nettoeinkünfte 7,80 DM auf die "hohe Kante" gelegt, während es in der ersten Jahreshälfte 1956 ganze 2 DM weniger waren. So hat sich der Gesamtbetrag der von Januar bis Juni 1957 von den privaten Haushaltungen aufgebrachten Ersparnisse auf 4,7 Mrd. DM erhöht und liegt damit um 1,4 Mrd. über der in der gleichen Vorjahresfrist gemeldeten Sparsumme.

An diesem erfreulichen Sparergebnis ist auch der Postsparkassendienst stark beteiligt. Die Zahl der Postsparer ist im Bundesgebiet einschließlich Westberlin von rd. 1 Million Anfang 1949 bis heute auf 8,5 Millionen gestiegen. Im gleichen Zeitraum wuchs das Guthaben von 39 Mill. auf 1,7 Mrd. DM an. Davon verwaltet allein das Postsparkassenamt Hamburg 1,087 Mrd. DM, der Rest liegt beim Postsparkassenamt München. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, daß sich das Durchschnittsguthaben auf einem Postsparkonto seit 1949 bis heute von 34 auf 217 DM erhöhte.

Die steigende Beliebtheit des Postsparbuchs erklärt sich aus der Freizügigkeit – sie erlaubt es, daß bei über 34 000 Postämtern und -amtsstellen in der Bundesrepublik und in Westberlin Ein- und Rückzahlungen vorgenommen werden können. Dieser Vorteil aber wird noch durch rund 80 Zahlstellen an Orten erhöht, die als Verkehrsknotenpunkte für auf Reisen befindliche Postsparer ununterbrochen – also auch nachts – geöffnet sind.

In der Woche des diesjährigen Weltspartages gab es auf dem Postsparkassenamt Hamburg eine besondere Überraschung: Es meldete sich der fünfmillionste Postsparer. Und die findige Post stellte als Inhaber dieses Sparbuchs sehr schnell den 12jährigen Schüler Gerstenkorn aus Hamburg-Harburg fest. Zur Belohnung dafür, daß der junge Kapitänssohn schon als Schüler den Pfennig zu ehren weiß, erhielt er von der Bundespost ein schmuckes Modell-Segelboot.

Als ich meinem zehnjährigen Sohn Wolfgang die Geschichte des jungen Post-Spar-"Millionärs" erzählte, war er gleich Feuer und Flamme, ihm nachzueifern. Er ging zum Postamt und kaufte sich dort von seinem Taschengeld zur "Anfangskapitalbildung" für ein Postsparbuch eine schmucke kleine Spardose in Form eines Briefkastens. Als er daheim der siebenjährigen Schwester Claudia seine neueste Errungenschaft vorführte, kam aus ihrem Munde die Frage: "Und was kostet das Ding?" – "60 Pfennige", antwortete er. Hohnlächelnd wußte Claudia ihm zu berichten, daß sie für ihre Sparbüchse (allerdings bei der Sparkasse) nur 20 Pfennige bezahlt hatte. ww