C. W., Potsdam

Das Havelufer beim Schloß Cecilienhof ist zugleich Zonengrenze. Die "Nationale Gedenkstätte des Deutschen Volkes", das ehemalige Schloß des Kronprinzen, dessen Sohn wenige Kilometer entfernt in Zehlendorf eine Dreizimmerwohnung besitzt, liegt mit ihren über 100 Zimmern im Norden von Potsdam. Täglich werden Urlauber aus der Zone hierhergefahren, aber auch ausländische Touristen können vom Ostberliner Bahnhof Friedrichstraße aus in den neuesten und elegantesten volkseigenen Autobussen für 19 Westmark den Ausflug nach Potsdam machen. Nur den Westberlinern und Westdeutschen bleibt der Besuch des Schlosses untersagt.

Vor zwölf Jahren, am 2. August 1945, endete hier die Dreimächte-Konferenz. Ihre Requisiten werden von der Fremdenführerin ganz besonders erwähnt: Von den Namensschildern der Delegationen bis zum großen runden Tisch, – auf dem jene makabren Schriftstücke lagen, die auch heute noch das Leben im geteilten Deutschland beeinflussen.

Das "Museum" ist gut präpariert: Man zeigt auf Tafeln alle Pläne der USA und Großbritanniens, die während des Krieges gemacht und wieder verworfen wurden, um Deutschland aufzuteilen. Man läßt den Lehnstuhl anfassen, in dem Stalin saß. Man erzählt, wie Truman sich sträubte, Stalins Wunsch nach deutscher Klaviermusik nachzukommen, bis er endlich doch Schumanns "Träumerei" zum besten gab.

Die Besucher atmen erst auf, wenn ihnen die Räume des Kronprinzenpaares gezeigt werden, die Bibliothek der verstorbenen Cecilie, über deren Dürftigkeit die Fremdenführerin einige hämische Worte verlieren muß. Spaß macht das Marine-Zimmer, jener seltsam ausgestattete Raum, in dem Wilhelm II. mit dem Kronprinzen Admiral spielte. Er sieht wie die Kommandobrücke eines Kreuzers aus. Hier die Marinespielerei der Hohenzollern – dort, im Konferenzzimmer, am runden Tisch, die Erinnerung an jenes Spiel um die deutsche Ostgrenze... Die historisch gewordenen Räume reden eine eigenartige Sprache.