Die ganze Kompanie hat falschen Tritt, nur der Gefreite Meier nicht.

Während sich in Moskau die kommunistischen Führer der Welt versammeln, um ihre Politik wieder einmal zu koordinieren, war die Versammlung der westlichen Allianz in Paris, die dem gleichen Zweck dienen sollte, ein Schlag ins Wasser. Die NATO-Versammlung – als machtvolle Demonstration atlantischer Einigkeit geplant – endete schlechterdings als Fiasko. Nicht nur, daß die Delegation französischer Parlamentarier unter Protest die NATO-Versammlung verließ, Ministerpräsident Galliard stieß überdies auch noch die Drohung aus, die Allianz werde "zu Staub zerfallen" und Frankreich werde der Spitzenkonferenz der Atlantikmächte am 16. Dezember fernbleiben, wenn der "Bruch der Solidarität" durch die Amerikaner und Engländer nicht gesühnt werde.

Inzwischen sind auf dem Flugwege die ersten angloamerikanischen Waffenlieferungen, die diesen Sturm französischer Entrüstung auslösten, in Tunis eingegangen; 350 leichte englische Maschinengewehre und 70 Maschinenpistolen, wie das Foreign Office mitteilte, und 500 amerikanische Gewehre einschließlich 50 000 Schuß Munition, wie das State Department bekanntgab. Lieferungen also, die im Zeitalter interkontinentaler Raketen kaum einmal mehr eine symbolische Handlung darstellen. Und darob soviel Aufhebens?

Frankreich hat Bourgiba im Juni 1957 Waffen für die neue tunesische Armee versprochen, die Lieferung aber immer wieder von der Einigung über gewisse politische und wirtschaftliche Streitfragen abhängig gemacht. Wen kann es wundernehmen, daß Präsident Nasser die Gelegenheit wahrnimmt, um sich für den Überfall auf Suez und Port Said zu rächen? Schon am 14. September forderte Ägypten von der tunesischen Regierung eine Liste des Bedarfs an und erklärte sich zur Waffenlieferung bereit. Die erste Sendung ist jetzt unterwegs. Zwei Monate sind also nutzlos vergeudet worden.

Noch einmal zwei weitere Monate, und es könnte leicht sein, daß dann die ersten russischen Instrukteure in Tunis einziehen, um den "arabischen Brüdern" die "ägyptischen Waffen" zu erklären. Was eigentlich verstehen die Franzosen unter Solidarität? Offenbar, daß vierzehn verbündete Staaten solidarisch die kurzsichtige Politik des Fünfzehnten mitmachen müssen, um dann allesamt solidarisch ins Unglück zu stürzen. Dff