Die Sowjets scheinen, im Gegensatz zu unseren NATO-Verbündeten, die Bundeswehr für sehr gewichtig zu halten. Dies geht hervor aus ihren umfangreichen Bemühungen, die junge Truppe mit propagandistischen Kampfmitteln zu "zersetzen". Diese Kampagne läuft – von der Öffentlichkeit kaum beachtet – seit langen Monaten auf vollen Touren, obwohl die Erfolge in keinem Verhältnis zur aufgewendeten Mühe stehen.

Der Kreml hat seine Aufträge an ostzonale Propagandaexperten gegeben, und so werden aus dem abgetrennten Teil Deutschlands Druckschriften über die Grenze geschmuggelt, die schon nicht mehr Zentner, sondern Tonnen wiegen. Ihr Inhalt? Da werden Vorgesetzte verunglimpft, Pannen im Dienstbetrieb über alles Maß aufgebauscht und Deserteure geworben. Da gibt es vielerlei Anregungen zu Diskussionen über Wehrverfassung, militärische Disziplin, moderne Bewaffnung, Besoldung, Auswahl- und Förderungsmethoden. Immer nach dem Prinzip: Es wird schon etwas hängen bleiben.

Andere "Aufklärungsschriften" richten sich an die westdeutsche Bevölkerung. Sie sollen verhindern, daß bewährte alte Soldaten zur Bundeswehr gehen und daß Wissenschaftler und Facharbeiter ihre Fähigkeiten den Aufgaben der Verteidigung widmen. Schließlich werden auch die Angehörigen der mit der Bundesrepublik befreundeten und verbündeten Völker bedacht. Ihnen soll tiefes Mißtrauen gegen die deutschen Offiziere und die neue Truppe eingeflößt werden, wozu sich Rückerinnerungen an die beiden Weltkriege nach Ansicht der Sowjet-Propagandisten vorzüglich eignen.

Für dieses Programm wird ein großes Arsenal psychologischer Waffen aufgewendet: Broschüren, Prospekte und Taschenbücher, "Leserbriefe" an westdeutsche Zeitungen, Drohbriefe an Bundeswehrangehörige und deren Verwandte, "persönliche" Schreiben mit fingiertem Absender, aber auch gefälschte dienstliche Vorladungen, Einberufungs- und Ausmusterungsbescheide. Dieses Trommelfeuer mit Papierkugeln wird unterstützt durch Flüsterpropaganda und Stammtischklatsch, meist mit nationalistischen und amerikafeindlichen Tendenzen. Unter diesem papiernen Dauerfeuer müßte die Bundeswehr eigentlich schließlich zu der Truppe werden, die am besten gegen psychologische Kampfmittel gefeit ist. Denn über eine solche Möglichkeit des Trainings auf diesem Gebiet verfügt mitten im "tiefsten Frieden" keine andere Armee. G. H.