Sputnik-Produktion in der Zone

iel., Sonneberg

Holzschnitzer im Thüringer Wald und im Erzgebirge wurden von Pankow aufgefordert, für die Sonneberger Spielzeugindustrie hölzerne Sputniks herzustellen. Nach dem Willen der SED-Leitung sollen die Miniatur-Satelliten das Angebot an "fortschrittlichem Advents- und Weihnachtsschmuck" vergrößern und die christlichen Symbole verdrängen.

Die Parteizeitung der SED, "Neues Deutschland", schläft dazu vor: "Es müßte doch sehr nett aussehen, wenn auf dem blanken Silber ein roter Stern und in Gold Hammer und Sichel glänzen!"

Um dieses Projekt möglichst schnell in die Tat umzusetzen, haben die zehn Handwerker-Genossenschaften der Spielwarenindustrie von Sonneberg (hier werden seit drei Jahrhunderten Spielzeug und weihnachtlicher Schmuck hergestellt) ein "Entwurfs-Kollektiv" gebildet. Dieses fleißige Gremium hat bereits mehrere Konstruktionen hölzerner Sputniks in verschiedenen Größen vorgelegt, und im Glasbläserort Lauscha wurde sogar schon mit der Herstellung eines Glas-Sputniks begonnen, der an den Innenwänden die bolschewistischen Symbole trägt.

Aber auch andernorts in der Zone hat man den Wink der Parteileitung verstanden. So werden im Spielzeugdorf Seiffen Weihnachts-Pyramiden gebaut, die auf der Spitze einen leuchtenden Sputnik tragen. Die verstaatlichten Kunstgewerbe-Werkstätten von Olbernhau bringen Magnetspieldosen in Sputnikform heraus und die ebenfalls staatliche Firma "Kunstblumen" in Sebnitz klebt auf ihre Erzeugnisse Abziehbilder der russischen Weltraumhündin Lajka.

Der Funktionär, an dessen Weihnachtsbaum viele Sputniks funkeln werden – ob er wohl noch einen Augenblick daran denkt, daß dieses Fest zweitausend Jahre lang von Menschen gefeiert wurde, die wußten, daß es etwas Höheres gibt als diese Welt – und ihre Sputniks?