Über den Wiederaufbau des Krupp-Konzerns werden im Ausland eifrig Kombinationen angestellt, und namentlich in Schweden wird immer wieder an der Freundschaft des schwedischen Großindustriellen Axel Wenner-Gren mit der Krupp-Familie herumgerätselt. Tatsache ist, daß Wenner-Gren mit dem konsistorischen Erwerb des aus dem Rheinstahl-Besitz stammenden Mehrheitspakets an der Bochumer Verein für Gußstahlfabrikation AG, Bochum, (AK nur 69 Mill. DM bei 1,5 Mill. t Rohstahlkapazität) der Familie Krupp einen großen Dienst erworben hat. Dies Paket hat Wenner-Gren zwar in Verfolg seiner Pläne, sich mehr und mehr von seinen europäischen Interessen zu lösen, an westdeutsche Banken und Versicherungen veräußert. Diese halten jedoch das Paket für Krupp fest. Jedenfalls liegt in Luxemburg der Antrag der entflochtenen Krupp Holding Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG, Rheinhausen, vor, die Mehrheit am Bochumer Verein erwerben zu dürfen. Das bedeutet nicht nur ein Ausweiten der entflochtenen Krupp-Holding auf 4 Mill. t Rohstahlkapazität und die Eingliederung jener ehemaligen Stahl-Verein-Hütte, die vorher zur schärfsten Konkurrenz für Krupp-Stähle gehörte, sondern auch sinnvoller Ersatz für die bei Krupp zu 100 v. H. demontierten und an die Sowjetunion abgegebenen Stahlwerke in Borbeck.

Außerdem erwarb der Bochumer Verein im Dezember 1956 die Aktienmehrheit (52 v. H.) der ebenfalls mit Verkaufsauflage belasteten Krupp-Zeche Constantin der Große, Bochum, (weitere 27 v. H. von Constantin kaufte die Krupp – Holding – Bergwerke Rheinhausen AG). Wenn also Krupp eines Tages unbestrittener Mehrheitsbesitzer vom Bochumer Verein werden sollte, dann nur über die Rückverflechtung der Rheinhausen-Holding, in der die ehemaligen Zechen- und Stahlwerke Krupp zusammengefaßt wurden. Dann hat er über Bochumer Verein auch Constantin d. Großen wieder in die Firmenfamilie zurückgeführt. Die konsistorische Einschaltung des schwedischen Industriellen und alten Freundes der Familie Krupp, Axel Wenner-Gren, hätte sich dann großartig bewährt.

Wenner-Gren selbst, der vor nicht langer Zeit seinen Aktienbesitz an der schwedischen Elektroluxgesellschaft veräußert hat, scheint seinen Interessenschwerpunkt immer mehr nach Kanada zu verlegen, wo er sich mit Projekten befaßt, die seine gesamte Finanzkraft in Anspruch nehmen dürften. Inwieweit sich hier eine Zusammenarbeit mit Krupp ergeben wird, läßt sich noch nicht übersehen. Für die deutsche Eisen- und Stahlindustrie sind die kanadischen Eisenerzfelder ohne Zweifel von besonderer Bedeutung. Krupp hat kürzlich Kanada zusammen mit dem amerikanischen Großindustriellen Cyrus Eaton einen Besuch abgestattet.

Natürlich findet das Einströmen ausländischen Kapitals in Kanada keinen ungeteilten Beifall. Namentlich im sozialistischen Lager wird davor gewarnt, kanadische Bodenschätze in fremde Hand zu geben. Allerdings verlieren diese Stimmen an Gewicht, wenn man erfährt, daß sie oftmals nur im Auftrage der konkurrierenden Konzerne abgegeben werden, die einander das kanadische Feld streitig machen wollen. Daß die Opposition zur rechten Zeit immer den Namen Krupp warnend auf ihr Schild schreibt und auf alle Fälle verhindert haben möchte, daß die "Nazis sich an kanadischen Grund und Boden bereichern", ist nur eine Variante des Tauziehens hinter den Kulissen. Wenner-Gren wird es in dieser Beziehung in Kanada leichter haben.

Aber reicht seine Finanzkraft aus? Wenn nicht, woher kommen für ihn die erforderlichen Kredite? Das sind die Fragen, die heute immer wieder aufgeworfen werden. Natürlich sind die Bochumer Millionen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn allein der Kraftwerk- und Stauseebau in Kanada soll "einige Milliarden" kosten. Wie reich Dr. Wenner-Gren ist und welche Mittel ihm zur Verfügung stehen, wurde bislang nicht bekannt. Nach einer amerikanischen Meldung wurde im Herbst die Continental Trading Inc, Mexico City, zu einer Nachzahlung von 470 000 Dollar Steuern verurteilt. Diese Gesellschaft wurde 1947 in Panama gegründet und verwaltet einen Teil des Wenner-Grenschen Vermögens. Die amerikanische Steuerbehörde soll erklärt haben, sie schätze Wenner-Gren Vermögen auf über eine Milliarde Dollar. In Schweden hält man das jedoch für reichlich übertrieben. B. Pl-t