Grob unterteilt, gibt es zwei Arten von Tierschriftstellern: Die einen kommen aus der Wissenschaft. Sie stellen in ihren Büchern die facts über alles, und ihre Liebe zu den Tieren ist verhalten und unaufdringlich. Den "zoologischen Selfmademännern" dagegen bleibt das Tier immer ein romantisch verklärter Untertan jenes heimlichen Reiches, dessen Leitmotiv das Weben der Natur ist. In diesem Reich sind sie die Wissenden, sie kennen – meist passionierte Jäger – Feld, Wald und Wiesen und ihre Bewohner, sie sprechen von Büchsenlicht, Brante und Decke und finden sich in den weglosen Urwäldern Polens, auf lappischen Tundren und karstigen Gebirgen ebensogut zurecht wie in’heimischen Kuhställen, Schweineboxen oder auf Pferdekoppeln. Zu den Büchern mit solchem Inhalt zählt:

Curt Strohmeyer: "Mein heiteres Tierbrevier." Safari Verlag, Berlin. 275 S., 10,80 DM.

Strohmeyer, der auf einem Hof in den Wäldern des Solling lebt, weiß viel über mancherlei Getier zu erzählen. Man spürt in jeder Zeile, daß er die Tiere aus eigener Anschauung genau kennt und sich mit ihnen versteht. Das tröstet über die Horrido-Seligkeit und den lodenen Oberförsterhumor hinweg, die sich manchmal unliebsam aufdrängen. Daß beide überflüssig sind, beweist er selbst in seinem, neuesten Buch:

Curt Strohmeyer: "Ich lebe mit den Tieren." Safari Verlag, Berlin. 247 S., 10,80 DM.

In neunzehn Kapiteln schildert er Geburt, Ehe, Liebe und Tod im Tierreich. Am besten gelang ihm die Schilderung von Tieren in Gefahr, ihre übermächtige Angst und die daraus resultierende Wandlung ihres Verhaltens zum Menschen. Hier zeigt Strohmeyer ohne erzählerische Mätzchen, daß er die Geheimnisse der tierisch-menschlichen Beziehungen kennt und sie mitzuteilen versteht. Und das macht seine Bücher trotz aller Einwände lesenswert. U. K.