Der Skålklub, die Deutsche Lufthansa, die Deutsche Schlafwagen- und Speisewagengesellschaft und die Deutsche Zentrale für Fremdenverkehr haben in Kopenhagen ein "Münchener Oktoberfest" arrangiert. Etwas Ähnliches ist auch bereits in den USA unternommen worden.

Da gibt es Leute, die ereifern sich über nachgemachte persische Teppiche. Sie erklären das 19. Jahrhundert für das Jahrhundert des Kitsches, weil es Wohnzimmer im Stil orientalischer Haremseinrichtungen liebte. Sie blähen sich mit der Materialechtheit als dem Hauptmerkmal unseres modernen Geschmacks. Aber sie sollten schweigen und merken, daß jedes Zeitalter eben seinen Kitsch, seinen Warenhausrausch, seine Attrappen, Imitationen und Fälschungen hat. Heute sind wir jedoch einen Schritt weiter gekommen in der Verfälschung und Entwertung des ganzen Lebens durch die totale Diktatur des Geschäfts.

Gewiß gehört das Oktoberfest nicht zu den "heiligsten Gütern", deren Profanierung sittliche Entrüstung herausfordern müßte. Aber es gehört immerhin – oder gehörte bisher – zu jenen Resten echten, elementaren Volkslebens, an denen die Welt immer ärmer wird. Deren Wesen aber ist die Unverpflanzbarkeit. Macht man sie zu Objekten der Spekulation, dann ist es aus mit ihnen. Ihr Leben wird ausgelöscht, ihr Gesicht verzerrt, ihr Reiz verkauft. Auch das ist ein Teil des allgemeinen Abbaues des Elementaren und damit des eigentlich Menschlichen. -th