RH, Hamburg

Ich bin Eigentümerin eines Hundes, der Briefträger nicht leiden mag. Sobald er einen Briefträger riecht, wird er böse und versucht, ihn zu beißen. Auch einen Geldbriefträger beschnuppert er leider nicht mit anderen Gefühlen; desgleichen macht es für ihn keinen Unterschied, ob der Briefträger Rechnungen bringt oder erfreuliche Post.

Der Briefträger kennt natürlich – leider und zum Glück – meine Adresse. Wenn es meinem Hund eines Tages gelingen sollte, ihn wirklich zu beißen, wird er die Briefe nicht einfach still in den Kasten werfen, sondern klingeln und mir sagen, daß nächstens unter meiner Post die Rechnung für eine neue Hose sein wird und die Liquidation eines Arztes. Denn leider weiß mein Briefträger, daß mir der Hund gehört.

Mein Hund war es jedoch zum Glück nicht, dadurch, daß er sich auf einer Fahrbahn umhertrieb, den Zusammenstoß zweier Wagen verursachte. Es war ein ganz fremder Hund, ein Hund, der Leuten gehörte, die nicht anwesend waren, als es passierte. Der Eigentümer des Autos, das Beulen bekommen hatte, stieg aus und packte den Hund am Halsband.

Ein Hund nun hat mit einem Auto gemein, daß er eine Nummer trägt. "Pudel Nr. X", dachte der Automobilist, "ist eine ebenso klare Sache wie beispielsweise Borgward Nr. Y." Er notierte die Nummer und ließ den Pudel laufen.

Die Zahl am Hundehalsband ist die Steuermitunter, und sie ist beim Finanzamt registriert. Der geschädigte Autofahrer geht also dorthin, um zu erfahren, wem der Hund gehört. Jedoch: das erfährt er nicht. Denn was der Steuerzahler dem Finanzamt anvertraut, unterliegt dem Steuergeheimnis. Auch der Hund. Wem der Hund gehört, wird nicht verraten.