In einer neuen Siedlung am Westrande von Kaiserslautern errichtete der junge Kölner Architekt Dr.-Ing. Karlheinz Fischer für die katholische Gemeinde St. Konrad eine Kirche in Backstein urd Beton; die Innenwände blieben unverputzt.

Vorerst steht der achteckige Zeltbau; ein Campanile soll später aufgerichtet werden.

Dem Architekten gelang es, Pfarrer und Kirchenvorstand davon zu überzeugen, daß in einen zeitgemäßen Bau auch zeitgemäße Kunstwerke hineingehören. Ein hölzernes Kruzifix von Toni Zenz, Köln-Merheim, und eine geschnitzte Muttergottes von dem Matare-Schüler Herbert Belau, Düsseldorf, schmückten daher den hellen, von einer prächtig gefältelten Decke gekrönten Raum, als der Bischof am 20.Oktober aus Speyer zur Weihe eintraf.

Zur allgemeinen Bestürzung jedoch schloß der Bischof die beiden Kunstwerke ausdrücklich von der Weihe aus. Und vier Wochen später erging nun der Beschluß der Diözese, Kruzifix und Muttergottes seien zu entfernen. Über dem Hauptaltar blieben die leeren Ketten hängen, an denen der Gekreuzigte über dem Raum geschwebt hatte.

Nach dem Kirchenrecht ist gegen diese Maßnahme nichts einzuwenden. Es war nämlich unterlassen worden, für die Aufstellung der Plastiken – die Mittel dafür stammten aus einer Stiftung der Mutterpfarrei und von der Gemeinde selber – die oberhirtliche Genehmigung einzuholen.

Wichtiger für die Entscheidung war aber wohl, daß das Bischöfliche Ordinariat in Speyer den Standpunkt vertritt, die Kunstwerke entsprächen nicht dem gesunden religiösen Empfinden der Gläubigen. Ihr künstlerischer Wert wird dabei nicht in Frage gestellt.

In Speyer denkt man also anders als etwa in Berlin, wo Bischof Dr. Göpfner bei der Weihe der St. Ansgarkirche im Hansaviertel erklärte, die Kirche müsse sich „dem Wagnis der modernen Kunst“ öffnen. Wollte man bis zur letzten Reife dieser Kunst warten, dann hätten sich Kunst und Künstler längst von der Kirche entfernt.