Mit der Frage "Sport, ja oder nein" hat sich der Schweizer Pfarrer, Dr. Robert Morgenthaler, in einem kleinen Buch auseinandergesetzt, das kürzlich im Schweizer Turn- und Sportverlag, Muchten, erschienen ist "Der Fehler von uns Theologen", so sagt er in seinem Vorwort, "war in den letzten 50 Jahren nicht der, daß wir Falsches zum Sport gesagt hätten. Unser Fehler war vielmehr der, daß wir überhaupt nichts sagten und pharisäisch auf die Sportbewegung herabsahen " Morgenthaler ist nicht der erste Pfarrer, der sich zum Sport bekennt und äußert. Aber ihm kommt es in seinem Buche besonders auf die geistige Auseinandersetzung mit den Problemen des Sportes an. Dabei ist bemerkenswert, was er über die Rolle der "Intelligenz im Sport" zu sagen hat. Der Schweizer bezeichnet es als bedenklich, wenn die Akademiker aus dem Sportleben verschwinden. "Mit großer Sicherheit", so stellt er fest, "wird dort das Leistungsniveau erheblich sinken Er weist dabei vor allem auf den kontinentalen Fußballsport hin. Die Pioniere des Fußballs waren zu einem großen Teil Leute, die heute führende Männer des öffentlichen Lebens sind: Professoren, Richter, Ärzte, Journalisten. Kaum waren die Anfangsschwierigkeiten überwunden, verschwanden diese Akademiker in zunehmendem Maße aus der Fußhallwelt.

Wie ist es dazu gekommen? Als der Fußball populär wurde, spielte in steigendem Maße das Geld eine Rolle. Es mußte oft gespielt werden, damit viel verdient werden konnte. Wirkliche Akademiker glauben aber, so argumentiert Morgenthaler, die Sonntage seien für Dinge da, die mit einem solchen Jeden Sonntag non stop SportplatzProgramm" unvereinbar sind. So hängten die intelligenten Leute die Fußballschuhe an den Nagel. Mancher mag freilich einwenden, das sei Schwarzmalerei, und es gibt sicherlich Beispiele, die dieser Darstellung zu widersprechen scheinen. So könnte man auf den Hamburger Sport Verein (HSV) hinweisen, in dessen Oberligamannschaft drei Stundenten unter Vertrag stehen. Allein der Schein trügt, denn diese jungen Akademiker werden es nicht leugnen wollen, daß ihnen der Sport nicht zuletzt ein Mittel zum — lobenswerten — Zweck ist, ihr Studium zu finanzieren. "Was wir hier auf dem Kontinent dringend brauchen", so sagt Morgenthaler, "sind Könner und Kenner des Sportes, die fähig sind, den Sport in die Universitas litterarum einzuführen. Entweder wird uns dies gelingen, oder wir können uns darauf verlassen, daß der Sport weiterhin ein Instrument ist, das beliebig gebraucht und mißbraucht werden kann. Wo aber der Sport wirklich akademisches Niveau hat, da ist von vornherein jedes sportliche Maulheldentum ausgeschlossen. Wenn irgendwo, dann sollten verantwortliche Behörden hier in den Geldsack greifen und Lehrstühle für den Sport schaffen " Dabei liegt Morgenthaler nichts ferner, als einen akademischen Standesdünkel zu propagieren. Er übersieht nicht, daß es unter den Akademikern Leute gibt, die sich zwar durch viel Fleiß auszeich nen, aber auch durch eine durchaus mittelmäßig! Intelligenz. Diese Feststellung ändert jedoch nicht an der These von der Zusammengehörigkeit voi Sport und Intelligenz.

Deshalb fordert der Schweizer Pfarrer zur Schluß, daß der Staat den Sport großzügig förden sollte. Nicht etwa in der Form, daß er für Trai ningslager der Nationalmannschaften Geld auf wendet, sondern vom Schulwesen her: Wie zi jedem Landschulhaus eine bescheidene, aber gut Turnanlage gehören sollte, so müßten die Hoch Schulsportplätze die schönsten und auch die klassi sehen Sportplätze einer Nation sein H. K.