W. F., Sydney, Ende Novembei

Ist Australiens Premierminister R. G. Mennes wirklich der überragende Staatsmann, für den man ihn in London und im übrigen Europa gerne hält? Ist er der tüchtige Vorkämpfer für das britische Commonwealth? Oder haben seine australischen Kritiker recht mit ihrer Ansicht, Menzies sei ein Main, der bloß gern im Vordergrund stehe, der jedoch von der Verwaltung wenig Ahnung habe und der alles komplizierter mache als nötig?

Betrachtet man die australische Verteidigungspolitik der letzten Jahre und ihre Ergebnisse, dann neigt man dem Urteil der Kritiker zu.

Acht Jahre, nachdem "Bob" Menzies erklärt hat, das Verteidigungsprogramm der Regierung sei für ihn von allergrößter Bedeutung und nachdem er wiederholt die Notwendigkeit einer starken australischen Verteidigung betont hat, zählt Australiens Armee kaum 20 000 Mann, von denen 14 000 nicht einmal als Kampftruppe in Frage kommen. Es ist eine Miliz von nur symbolischer Bedeutung. Und daß einige tausend Wehrpflichtige jährlich eine militärische Übung abhalten, ändert wenig an der Tatsache, daß die Armee nichts taugt.

Bei der Luftwaffe sieht es nicht besser aus. Nachdem festgestellt wurde, daß der neue Überschalljäger F 104 Starfighter, mit dem die australische Luftwaffe ausgerüstet werden sollte, einen viel zu kleinen Aktionsradius für die Größe des Landes hat, verläßt sich Menzies vorerst wieder auf die allmählich veraltenden Avon Sabre, die in Australien in Lizenz gebaut werden. Die Marine verfügt über keine größeren Einheiten. Sie hat sich auf kleinere U-Bootjäger konzentriert und unterhält nur zwei kleine Flugzeugträger.

Australien, das industriell noch in der Entwicklung steht, stößt natürlich auf besondere Schwierigkeiten bei dem Ausbau seiner Armee. Aber es stellt sich doch die Frage, ob nach allen Bemühungen das Rüstungsergebnis für ein Land mit immerhin fast neun Millionen Einwohnern nicht etwas mager ausgefallen ist...