Wo immer das Glück der Männer liegen mag, das der Frauen muß sich unter dem Deckel der elektrischen Nähmaschine befinden. Zumindest in Amerika, wo den Marktforschern der Nachweis gelang, daß von 100 glücklichen Ehefrauen 94 Nähmaschinenbesitzerinnen sind ...

Der Kern dieser kuriosen Statistik ist wohl, daß eheliches Glück solider Grundlage bedarf. Und zum wohlgeordneten Hausstand gehört natürlich die Möglichkeit, das Wirtschaftsgeld mit dem Selbstgeschneiderten strecken zu können.

Der Siegeszug der Konfektion steht keineswegs im Gegensatz zu diesem häuslichen Bedürfnis, das unabweisbar wird, wenn Kinder anzuziehen sind. Aus mancherlei Gründen gehört Kinderkleidung heute noch zu den teuersten Anschaffungen. Mütter, die es verstehen, aus einem billigen Ausverkaufsstöffchen ein hübsches Gewand für die Tochter zu zaubern, dürfen sich daher in der Tat "glücklich" schätzen. Hinzu kommt das Hobby des "Mach es selbst!" das auf der ganzen Welt die zusätzliche Freizeit der 5-Tage-Woche auszufüllen beginnt.

Selbstverständlich also, daß ein Haushalt ohne Nähmaschine auch bei uns nicht komplett ist. Nur sind es hierzulande vielfach Apparate, auf denen schon unsere ersten Hosen geschneidert wurden. Ihre Sölidität scheint für die Ewigkeit gemacht. Und da wir uns ungern vom "guten Alten" trennen und vielfach der Meinung sind, "im Prinzip" habe sich an der Erfindung des Josef Madersperger nicht viel geändert, hat die deutsche Durchschnittshausfrau noch keineswegs den Gipfel des Nähmaschinenglücks erklommen.

Doch so klaglos die von Mutter ererbte "Singer" immer noch funktioniert, und so wenig in der Tat auch die Grundstruktur verändert wurde, so sehr macht doch die Fülle großer und kleiner Erleichterungen, zusätzlicher Hilfen, raffinierter Verbesserungen und ungeahnter Verwendungsmöglichkeiten eine "neue" Maschine. Auch ist die Zeit vorbei, da die Nähmaschine im Bügelzimmer stand oder in der Rumpelkammer verstaut wurde. Die "Versenkbare" präsentiert sich – je nachdem wo sie hin soll – als elegantes Salonmöbel oder praktischer Dielentisch, als hübscher Schrank in vielerlei Holzarten oder zierlicher Nähkasten. Die jungen Frauen aber kaufen fast stets die transportable Koffermaschine, für die man keinen besonderen Platz braucht.

Mit der Frage: Koffer oder nicht? haben wir auch schon die Frage nach dem Antrieb beantwortet. Denn Koffermaschinen gibt es nur elektrisch, während die meisten anderen Modelle mit oder ohne Motor zu haben sind. Von besonderer Wichtigkeit aber ist die Überlegung: Genügt die normale "Haushaltsmaschine", oder liebäugelt die Gattin mit der sogenannten "Zick-Zack-Maschine"? Oder gar mit einer "Automatic"? Zum Preise von rd. 300 bis 500 DM (Schränke entsprechend mehr) genügt erstere allen normalen Ansprüchen. Die "Zick-Zack", durchschnittlich etwa 200 DM teurer, kann, wie ihr Name sagt, allerlei zusätzliche Kunststückchen, und macht insbesondere den Stickerinnen unter den Hausfrauen Freude. Die "Automatic" schließlich ist gar keine Nähmaschine mehr, sondern ein Wunderapparat, mit dem man auch flickt, stopft, stickt, Knopflöcher herstellt und Knöpfe annäht. Ihre Fertigkeit, tausend und einen Kunststich zu beherrschen, müssen wir jedoch mit einem weiteren Aufschlag von etwas über hundert Mark honorieren. L. W.