Es ist wohl nicht nur auf Sputnik I und II zurückzuführen, daß General Franco heute verkündet, man müsse bei den Russen zwischen dem, was schlecht ist, und dem, was einen "positiven Wert" hat, unterscheiden. Die Biegsamkeit des Caudillo ist bekannt. Er gefiel sich lange Zeit in der Rolle des Kreuzfahrers gegen den Kommunismus. Jetzt erklärt er, die letzten russischen Erfolge wären im alten Rußland nie möglich gewesen und seien "ein Ergebnis politischer Einheit, Stetigkeit, Autorität und Disziplin", eine Anspielung auf das eigene Regime, das nach Franco das beste in der Welt ist.

Vor zwei Jahren schon begannen der Caudillo und die Kreml-Männer, mit Hilfe ihrer Vertretungen in Paris und London die ersten inoffiziellen Kontakte zu suchen. Plötzlich sogar ließ jetzt der Kreml zu, daß Spanien in die UNO aufgenommen wurde. Auch bahnten sich sofort Handelsbeziehungen mit den Ostblockstaaten an.

Die Bemühungen Spaniens, mit dem Ostblock ins Geschäft zu kommen, haben viele Gründe. Der Kurs der Peseta ist in den letzten Jahren immer mehr gefallen, und Spanien hatte Schwierigkeiten, in westliche Länder zu exportieren. Jetzt werden spanische Apfelsinen gegen tschechische Lastwagen eingetauscht. Polen kauft spanische Schuhe und Textilien, und Ostberlin bietet ein Handelsabkommen über 25 Millionen Dollar an.

Franco versucht, es seinem außenpolitischen Vorbild Tito gleichzutun und eine neutrale Position zu gewinnen. Schon berichten die spanischen Zeitungen nur noch mit Schadenfreude über die Rückschläge der Amerikaner. Gefährlicher ist, daß eine geheime kommunistische Partei im Lande geduldet wird, wobei man freilich die Meinung hören kann, das geschähe bloß, weil Franco wüßte, daß die Amerikaner besser zahlten, je mehr sie fürchten müßten, Spanien könne "rot" werden...

Ob die Amerikaner mehr zahlen werden, ist noch nicht sicher. Vorerst sind sie besorgt über die starke Rückwanderung von Exil-Kommunisten nach Spanien. "Franco wird sterben, der Kommunismus leben", meinen diese Gruppen. E. G.