Sport wirkt veredelnd. Auch Fußball. Aber de Mensch ist schwach. Selbst Amateure könnet nicht immer der Versuchung widerstehen, den Gegner ein Bein zu stellen, und Rache ist, wem der Schiedsrichter nichts merkt, auch hart am Strafraum süß. In den Zuschauern, die ja schon längs nicht mehr selbst Sport treiben wollen, weckt a die Lust zu eigener Betätigung ganz anderer Art Welche Möglichkeiten, außer Sprechchören, Pfeif konzerten und dann und wann einem gezieltei Flaschenwurf stehen dem Fußballpublikum offen Nach dem Match entlädt sich die aufgestaute Energie im Sturm auf das Spielfeld, wo endlidi die Stellungnahme zum Spielverlauf im Freist! demonstriert und mit Kinnhaken untermauert wer den kann "Die Polizei mußte für Ordnung sor geii", heißt es dann im Sportbericht; Und da nimmt oft seltsame Formen an.

Bei einem Fußballspiel in Süddeutschland, wi die Wogen der Leidenschaft von Haus aus beson ders hoch schlagen, hatte ein Spieler, der wieder ] holt gefoult hatte, und der Schiedsrichter, der es geduldet, den Zorn des Publikums erregt. Sie wußten, was ihnen bevorstand, und flüchteten nach dem Schlußpfiff eiligst in die Kabinen. Aber die Verteidiger der Gerechtigkeit waren nicht gewillt, die Opfer so leichten Kaufs entkommen zu lassen. Mit finsterer Entschlossenheit machten sie sich daran, die Kabinen zu belagern. Vielleicht wäre es ihnen tatsächlich gelungen, die Eingeschlossenen durch Aushungern zur Kapitulation zu zwingen, wenn sie nicht von den Verfolgten und ihren Beschützern überlistet worden wären. Der eine, ich weiß nicht mehr, war es der Schiedsrichter oder der Spieler, gelangte auf einem abenteuerlichen Wege ins Freie, der andere wurde in eine Polizeiuniform gesteckt und solcherart getarnt durch den Ring der Belagerer geschleust.

Seither frage ich mich bei jedem Polizisten, der mir begegnet, ob es nicht vielleicht ein verkleideter Schiedsrichter ist, und die feine alte Dame vorigen Sonntag in der Straßenbahn — ich werde den Gedanken nicht los, es sei der Mittelstürmer vom AFC gewesen, der vom Fußballspiel inkognito nadi Hause fuhr. M. W.