Eine ungewöhnliche Versammlung in Amsterdam

Unter den herrlichen Gobelins und den Bildern des Rijksmuseums zu Amsterdam hatten sich dreihundert Herren mit ihren Damen versammelt, und diese gediegene Umwelt deutete auf ihre Absichten: Obwohl viele von ihnen Politiker und die meisten von ihnen Männer der Industrie und Banken waren, hatte nicht Politik, nicht Geschäftssinn sie aus siebzehn Ländern Europas herbeigeführt. Nein, sie wollen ein großes Programm zur Förderung der europäischen Kultur ausarbeiten und finanzieren.

Amsterdam, Ende November

Es war der erste Kongreß der "Europäischen Kulturstiftung". Es war kein Kongreß abendländischer Überheblichkeit. War es ein "Kongreß der Angst", wie die Pessimisten sagten? Save Europa, now? Oder gehen wir einer neuen Zeit europäischen Mäzenatentums (Besitz verpflichtet...) entgegen, in der die Kunst blüht und die Kultur geschützt ist? Fast klang es so, und es klang so schön.

Europa, so hieß es in der Einladung zu diesem Kongreß, sei nunmehr auf sich selbst gestellt. Bei der heutigen Weltlage seien die Hilfeleistungen, zum Beispiel aus den großen amerikanischen Stiftungen, aus denen Europa unermeßlichen Nutzen gezogen hat, mehr und mehr für Afrika und Asien bestimmt. Daraus ergäbe sich die dringende Notwendigkeit, eine starke, von den Regierungen unabhängige europäische Stiftung zu schaffen, die private Gelder der "Förderung, dem Schutz und der Weiterentwicklung europäischer Erziehung und Kultur zuführt".

Der Zauber Europas

200 bis 300 prominente europäische Persönlichkeiten sollen sich dieser Aufgabe widmen und ihren Einfluß, wo immer sich eine Gelegenheit bietet, dafür aufwenden. In der großen Gruppe, die aus der Bundesrepublik nach Amsterdam gekommen war und in der sich – allen voran – Konrad Adenauer (als Privatperson) befand, waren fünf prominente abstrakte Maler, die keinen einzigen Confrere aus Frankreich trafen. Doch nicht nur Maler aus Frankreich fehlten – man hätte den jungen Nobelpreisträger Albert Camus gern gesehen; er war ebensowenig gekommen wie T. S. Eliot aus England. Ist es schon schwer, das Geld aufzutreiben, so ist es noch schwerer, die geistigen Potenzen zu finden und zusammenzuführen.