Gemeinsamer Markt und Freihandelszone sehen sich vom einzelnen Unternehmen aus etwas anders an als vom Standpunkt des Politikers. Sie werfen hier spezifische Probleme auf, die der Betriebsleiter erkennen muß, um sich rechtzeitig auf sie einzustellen. Das war wohl auch die Auffassung des großen französischen Lastkraftwagenwerkes "Berliet" in Venissieux bei Lyon, das eine Reihe westdeutscher Motor- und Verkehrsjournalisten einlud, um ihnen das Unternehmen zu zeigen und sich mit ihnen darüber zu unterhalten, wie man im Gemeinsamen Markt mit der deutschen Lkw-Industrie auszukommen vermöge.

M. Berliet wies darauf hin, daß es nur wenig Sinn habe, im Gemeinsamen Markt mit Standardartikeln aufzutreten, weil auf diesem Gebiet die Konkurrenz der nationalen Industrie viel zu stark sei. Der angestrebte große Markt öffne sich nur für Spezialerzeugnisse. Das aber sind bei Berliet überdimensionierte Speziallastkraftwagen, so das, auf der Pariser Automobil-Ausstellung kürzlich gezeigte 100-t-Nutzkraftfahrzeug. Dieser LKW ist speziell für die Sahara gebaut. Er ermöglicht es, unteilbare große Lasten über weite Strecken hinweg durch Wüstengebiete, neuerforschte oder auch noch zu erschließende Länder, aber auch auf Großbaustellen aller Art zu transportieren. Das Erschließen der Erdöl- und Rohstoffvorräte in der Sahara wird künftighin eine europäische Aufgabe sein, weil sie einen "Einsatz" von Menschen und Mitteln bedingt, der über die Kräfte eines einzelnen kleinen europäischen Landes hinausgeht. Berliet hat die hier liegende große Transportaufgabe früh erkannt, entsprechende Fahrzeuge konstruiert und erhebliche Mittel (nicht zuletzt durch die Gründung von Filialen und Niederlassungen in Afrika) aufgewandt.

Dabei wurden Landeskenntnisse und Erfahrungen gesammelt, die Berliet der europäischen Industrie, soweit sie Interesse an einer Erschließung Afrikas hat, zur Verfügung stellen will. Hierin sieht man in Venissieux eine große europäische Gemeinschaftsaufgabe, deren Lösung auch dem eigenen Unternehmen Nutzen und Erfolg bringen soll. Das aber braucht man, weil eine weitere kräftige Entwicklung der Industrie für schwere LKW im europäischen Raum nicht mehr als unbedingt sicher gelten kann, da niemand recht zu erkennen vermag, wie die heute ganz Europa umfassende Diskussion über Maße und Gewichte und vor allem auch über die 8-t-Achse enden wird. Rlb.