Bei der Adlerwerke, vorm. Heinrich Kleyer AG, Frankfurt/Main, sind die Würfel jetzt gefallen. Den wohl maßgeblichen Einfluß dürfte jetzt die Grundig Radio-Werke GmbH, Fürth, ausüben – dabei wohlwollend toleriert von der Dresdner Bank, die auf der letzten HV Aktien im Betrage von 2,79 Mill. DM (AK 15 Mill. DM) vertrat. Die Grundig-Gruppe besitzt eine Schachtelbeteiligung von 26. v. H., die sie wahrscheinlich von der Dresdner Bank erworben hat. Wenn es bei den Adlerwerken zwar auch künftig keinen Mehrheitsaktionär geben wird, so deutet doch die Neubesetzung des AR darauf hin, daß die übrigen Aktionärsgruppen mit der jetzt gefundenen Lösung durchaus einverstanden sind.

Das ist verständlich, denn aus eigener Kraft hätten die Adlerwerke aus ihrer finanziellen Beengung wohl kaum herausgefunden. Schon das ungünstige Verhältnis zwischen eigenen Mitteln und langfristigen Schulden ließ dies nicht als wahrscheinlich erscheinen. Die Zinsbelastung mit zwei Mill. DM im Geschäftsjahr 1956 bei einem Rohertrag von 31,6 Mill DM ist sehr groß. Für die Kreditgeber müssen größere Beträge als für das Finanzamt (Steuerbelastung 1,22 Mill. DM) erwirtschaftet werden. Die offenbar nicht zu gering gegriffenen Abschreibungen (die Hauptquelle der Selbstfinanzierung) mit 3,77 Mill. machen sich hiergegenüber ebenfalls bescheiden aus.

Nun aber sind die Adlerwerke zwar ein finanziell schwaches, technisch aber keineswegs uninteressantes Unternehmen. Die Schwäche geht – das darf man nicht vergessen – auf die Demontage der Automobilfabrik im Jahre 1949, also nach der Währungsreform, zurück. Eine Entschädigung für die damals erlittenen Substanzverluste – sie stehen mit 4,77 Mill. DM in der Bilanz – hat das Unternehmen niemals erhalten. Das Kriegsfolgengesetz hat diesen Komplex ausgeklammert. Das Kernstück des alten Unternehmens, die Automobilfabrik, konnte daher nicht wieder geschaffen werden. Dafür wurden die Nebenfabrikationen verstärkt ausgebaut. Es war dies vor allem die Büromaschinenfabrik, die sicherlich in den Aufbaujahren gut gearbeitet hat. Heute leidet die Branche unter einem Überangebot, zumal auch das Ausland mit interessanten Preisen aufwartet. Die besten Zeiten sind jedenfalls vorerst einmal vorbei. Das Zweiradgeschäft, auf das man bei Adler größere Hoffnungen gesetzt hatte, bereitet ebenfalls Sorgen. Fahrräder, Mopeds, Motorräder und Roller liegen heute im Schatten der Konjunktur.

Als Ersatz für die demontierte Automobilfabrik erwarb Adler seinerzeit den Mantel der Vereinigten Werkzeugmaschinenfabriken. Ihre Wiedererrichtung erfolgt im Fabrikgelände von Adler. Sie hat eine lange Anlaufzeit gebraucht, dürfte aber jetzt über den Berg sein. Gewinne wirft sie jedoch noch nicht ab. Es verbleibt als erfreulicher Teil des sehr differenzierten Fabrikationsprogrammes der Bau von Getrieben. Adler hat die Produktion rechte für Overdrive-Getriebe von Borg-Warner Chikago erworben. Die Getriebe scheinen sich in Deutschland durchzusetzen.

Die Gesamtsituation von Adler wird jetzt sicherlich ein anderes Gesicht annehmen, weil sich die Fabrikationsstätten im Rahmen der Grundig-Planung (zu Grundig gehört, "auch die Triumph Werke Nürnberg AG, Nürnberg), wahrscheinlich besser als bisher nutzen lassen. Maschinelle Ausrüstung und ein Stamm guter Facharbeiter sind sehr interessante Faktoren.

Aus dem AR sind ausgeschieden: Carl Goetz (Dresdner Bank), Ernst Hagemeier und Hermann Schlosser. An ihre Stelle traten: Max Grundig, Max Bardroff (Dresdner Bank) und Josef Schäfer (Vorstandsvors. der Triumph Werke Nürnberg). Von der Aktionärsseite gehört dem AR außerdem Ernst Matthiensen (Dresdner Bank) an. -eb