H. P., Beirut, im November

Eine Sitzung des syrischen Parlaments in Damaskus, an der vierzig ägyptische Abgeordnete mit vollem Stimmrecht teilnahmen, leitet vielleicht eine neue Phase der Zusammenarbeit beider Länder ein. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, in der eine ägyptisch-syrische Föderation gefordert wird. Die Zusammenarbeit soll bei den Ressorts Verteidigung und Außenpolitik beginnen. Ein gemeinsames Oberkommando unter dem ägyptischen Verteidigungsminister General Hakim Amer besteht bereits, und die Integration der beiden Armeen hat mit der Landung ägyptischer Truppen in Syrien begonnen. In der Außenpolitik der beiden Länder konnte man schon während der letzten Jahre kaum noch Unterschiede feststellen. An eine Verschmelzung der diplomatischen Dienste allerdings ist vorerst noch nicht gedacht, da dies den Verlust einer arabischen Stimme in der UNO bedeuten würde.

Der wirtschaftliche Zusammenschluß macht ständig Fortschritte. Zölle werden gesenkt oder, wie bei Grundstoffen, völlig beseitigt, und der freie Verkehr von Personen und Kapital ist als Ziel proklamiert worden. Zweifler, die auf die große geogragraphische Entfernung zwischen den beiden Ländern hinweisen, werden auf die staatliche Existenz von Ost- und West-Pakistan verwiesen. Mehr zu schaffen macht den Beteiligten schon die Frage, wer denn Präsident der Föderation sein soll. Man gedenkt, sich zunächst mit einem jährlichen Wechsel des Amtes zwischen Ägypten und Syrien aus der Affäre zu ziehen. Ob ein solcher Zusammenschluß Syrien stärker an Ägypten attachiert und aus den sowjetischen Umgarnungen lösen kann, oder ob nicht vielmehr die sowjetische Wirtschaftshilfe an Ägypten bereits andeutet, daß die Entwicklung gerade umgekehrt geht, bleibt abzuwarten.