Von Barbara Bondy

Daß Luise Rinser eines Tages einen Eheroman schreiben würde, diese Vermutung lag nahe. Sie hat sich bestätigt:

Luise Rinser: "Abenteuer der Tugend", S. Fischer Verlag, Frankfurt; 290 S., 13,80 DM.

Dieses Buch präsentiert sich als eine Folge von Briefen, die die Hauptperson und Heldin, Nina Buschmann (dem Leser aus einem früheren Roman der Autorin, "Mitte des Lebens", bekannt) an verschiedene Adressaten schreibt.

Die Briefe erfassen einen Zeitabschnitt von etwa sechs Jahren; sie erzählen und kommentieren die Bindung dieser Frau an den gefeierten und gefährdeten Sänger Maurice, einen Menschen, der den unheilbaren Krankheiten Schwermut und Lebensschwäche verfallen ist.

Die anfänglichePassion einer außerehelichen Bindung verwandelt sich im Ehe-Alltag. Entfremdung und Enttäuschung treten in die gemeinsame Wirklichkeit ein. Die große Passion endet – die große Partnerschaft ereignet sich nicht. Sie kann sich nicht ereignen, denn die Gewichte sind ungleich verteilt. Vor der Überlegenheit der Frau konturiert sich das Versagen des Mannes um so heilloser.

Für Nina Buschmann bietet sich als Ausweg das Opfer an – das Opfer ihres Glücksanspruches. Aber Nina Buschmann ist besessen von unerhörtem Stolz und der brennenden Suche nach dem Lebenssinn. Ein solches Opfer für einen Menschen zu vollziehen –das genügt ihr nicht und gelingt ihr nicht. Sie entsagt nur für einen anderen und Größeren: für Gott.