In Karlsruhe hat soeben der Prozeß gegen Victor Agartz, den ehemaligen Chefideologen der Gewerkschaften, begonnen, der im Oktober 1955 von der Leitung seines Instituts beurlaubt wurde. Damals kursierte das Gerücht, Gräfin Dönhoff von der Redaktion DIE ZEIT habe von Dr. Agartz Material für einen Angriff auf den Vorsitzenden des DGB, Walter Freitag, bekommen. Freitag, darüber erbost, habe seinerseits Dr. Agartz einen Strick daraus gedreht. Gelegentlich wurde auch umgekehrt kolportiert, Gräfin Dönhoff habe Freitag belastendes Material gegen Dr. Agartz gegeben und damit zu dessen Sturz beigetragen. Wir sind seinerzeit dieser Geschichte nachgegangen. Bei diesen Recherchen ergab sich, daß sämtliche Angaben frei erfunden waren. Nachdem, ungeachtet dieser Tatsache, fast zwei Jahre später diese Geschichte am ersten Prozeßtag in Karlsruhe wieder erwähnt wurde, haben wir beschlossen, die damaligen Ermittlungen jetzt abzudrucken. Es handelt sich um einen Brief von Marion Dönhoff an Walter Freitag, dessen Antwort so konfus und unerheblich war, daß sie aus Platzgründen hier nicht abgedruckt wird, und um einen Brief von Victor Agartz an Marion Dönhoff. Übrigens ist auch ein Artikel gegen Freitag in der ZEIT nieerschienen.