Von Franz Schönauer

Schien bis vor wenigen Jahren noch die amerikanische Literatur der Gegenwart auf Grund einiger repräsentativer Autoren überschaubar und von ziemlich klarer Struktur, so hat sich dieses Bild jetzt durch das Hervortreten einiger junger Schriftsteller (wie Capote und Goyen) zu wandeln begonnen.

Sicher ist, daß dieser Prozeß der Differenzierung bereits bei der mittleren Generation, bei den heute 40-50jährigen, einsetzte. Der Roman von Hayes, "In Love", deutet ebenso darauf hin wie das Buch von

Wright Morris: "Die gläserne Insel", übersetzt von Hedda Soellner. H. Goverts Verlag, Stuttgart; 288 S., 14,80 DM.

Nach den Angaben des deutschen Verlages hat der Autor sich bereits in Amerika durchgesetzt und im Frühjahr 1957 den National Book Award bekommen. Der Roman "Die gläserne Insel" – der Originaltitel heißt The Deep Sleep – erschien schon 1954. Er widerspricht allem, was man ziemlich allgemein als amerikanischen Realismus ansieht.

Auf den ersten Blick scheint das Buch kaum etwas von "Härte" zu besitzen, von der Ring- und Arenaphilosophie, die beispielsweise Hemingway bis zur Attitüde perfektioniert hat. Scharfe Konturen fehlen, ebenso alles Plötzliche und Gewalttätige. Vorherrschend sind Halb- und Zwischentöne.

Die Technik des Betrachtens ist hier gesteigert und verfeinert worden durch Psychologie, durch die genaue Kenntnis der seelisch-geistigen Vorgänge, der Denk- und Reaktionsprozesse, die an menschliches Leben geknüpft sind.