Eine reiche Blütenlese von Texten aus der gewaltigen spanischen Literatur vom Cid bis in unsere Gegenwart, Prosa und Verse, in älteren oder unter den Augen des Kölner Romanisten angefertigten neuen Übersetzungen liegt jetzt vor in dem Buch:

Fritz Schalk: "Spanische Geisteswelt. Vom maurischen bis zum modernen Spanien." Hölle Verlag, Baden-Baden; 360 S., 14,– DM.

Die klassischen Strophen von Jorge Manrique auf den Tod seines Vaters sind darunter, Sprichwörter, Stücke aus Loyola, aus der hl. Theresa, Beispiele aus dem Schelmenroman, aus Gongora Lope, Calderon; dann aber aus jüngerer Zeit wichtige Beiträge zur spanischen Selbsterfassung: aus Ganivets spanischem Idearium, Maeztus Verteidigung der Hispanidad, Reflexionen über Wesen und Sendung Spaniens von Pio Baroja, Unamuno, Ortega, Pedro Salinas und anderen.

Noch zur Barockzeit strömten spanische Einflüsse in die westlichen Literaturen, bis uns dann die Reformation, die Bindung an die französische Literatur mit ihrem autarken Willen und an die englische, von diesem völlig ungebrochen katholisch gebliebenen iberischen Kulturkreis entfernt hat.

Die Romantiker haben die Verbindung wieder aufgenommen, in unserer Zeit Hofmannsthal, von spanischer Seite her zu uns am energischsten Ortega y Gasset.

Die wissend angelegte Anthologie Fritz Schalks ist für den modernen Leser ein Leitfaden, der historische wie künstlerische Interessen auf das hin orientiert, was ihnen an Spaniens Geisteswelt zu entdecken vorbehalten ist. Mehr als erwartet ist es immer. m. r.