Konfessionsarithmetik in Düsseldorf

Einhundertundsechsundfünfzig Prozesse von Lehrern laufen zur Zeit gegen Kultusminister Professor Dr. Luchtenberg als Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen.

Was ist notwendig, um glücklich zu sein? Auf diese uralte Frage lautet die neueste, für alle freien und die meisten beamteten Berufe in Deutschland Anno 1957 gültige Antwort: dreierlei – ein guter Rechtsanwalt, ein guter Arzt und ein guter Steuerberater.

Doch das nur nebenbei. Einige der Lehrer in Nordrhein-Westfalen, die jetzt einen guten Rechtsanwalt brauchen, haben – zum Teil wenigstens, denn unter den 156 Prozessen ist die Mehrzahl gewiß anderer Art – einige aber haben die falsche Konfession. Jedermann, der schon einmal ins Paritätsgetriebe des öffentlichen Lebens hierzulande geraten ist, weiß, wie unverzeihlich so etwas sein kann.

Finstere Machenschaften auf dem katholischen Flügel der CDU? Weit gefehlt. Der Mann, der von den Lehrern angeklagt wird und zumindest formal verantwortlich ist, gehört ja jener Partei an, die sich nicht nur "demokratisch" nennt (wie jeder heutzutage), sondern außerdem auch "frei" – frei nämlich, hieß das ursprünglich einmal, auch von den Auswüchsen des Konfessionalismus.

Wenig Freiheit dieser Art ist in seiner Anordnung zu spüren, wonach die Lehrerschaft seines Landes an jeder Schule konfessions-proportional zur Schülerschaft sein muß. Wenn also – so ist diese Anordnung zu verstehen – eine Schule 300 katholische und 300 evangelische Schüler hat, dann muß sie genausoviel katholische wie evangelische Lehrer haben.

In einer Stadt wie unserer Bundeshauptstadt sieht das so aus: Bonn liegt (als preußisch-protestantische Universität) mitten im überwiegend katholischen Rheinland. Es gibt dort mehr katholische als protestantische Einheimische (zu denen auch die Lehramtskandidaten der Bonner Universität zählen). Solange die alle fein unter sich blieben, regulierten sich die konfessionellen Proportionen von selber.