Im schwedischen Reichtstag wird ein Gesetz gegen die Vorführung von wilden Tieren im Zirkus vorbereitet, in Dänemark erwägt man ähnliche Pläne. Die Tierfreunde Skandinaviens gehen jedoch noch weiter: sie fordern ein vollständiges Zirkus- und Menagerieverbot. Die gleiche Einstellung, aus der heraus folgerichtig Einwände auch gegen die Tiergärten gemacht werden, spricht aus jeder Zeile des dänischen Romans:

Svend Fleuron: "Gefesselte Wildnis." Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf; 24 Bildtafeln, 224 S., 14,80 DM.

In Dänemark mag eine Neuauflage dieser vor 32 Jahren geschriebenen Anklage gegen die Zoologischen Gärten jetzt ihre taktische Berechtigung haben. Bei uns ist sie jedoch ein trauriger Fehlgriff.

Dem Autor kann man kaum einen Vorwurf machen. Er schrieb damals, was sein tierfreundliches Herz bewegte, und er schrieb es meisterhaft. Aber sein Zoodirektor ist die beklemmende Karikatur eines weltfremden Weisen, den die Tiere hassen und der im Verlaufe des Romans von einem Pavian angegriffen, von einem Reiher fast geblendet, von einem Elefanten in die Luft geschleudert und schließlich von einer Riesenschlange erdrückt wird. Seinen Tod begrüßt der ganze Zoo mit einem gewaltigen Triumph- und Wonneschrei. Mit dieser Symphonie der erfüllten Rache schließt der Roman, der damals vielleicht nicht unrichtig war. Inzwischen sind aber dreißig Jahre verstrichen, und Tierpsychologie und Umweltforschung sind Bestandteile der exakten Naturwissenschaft geworden. Die Zoologischen Gärten sind ernst zu nehmende Forschungsstätten.

Der Verlag führt nirgendwo das Alter dieses Romans an. Er erweckt daher den Anschein, als sei es Svend Fleurons neuestes Werk. Dabei ist es nur auf neu poliert. u. k.