DIE ZEIT

Geld oder Soldaten

Niemand verzichtet gern auf einen finanziellen Beitrag, an den er sich gewöhnt hat. Wir verstehen also, daß Großbritannien die rund 580 Millionen DM, die es im laufenden Haushaltsjahr von der Bundesrepublik für die Stationierung seiner Truppen auf unserem Gebiet bekam, auch im nächsten Haushaltsjahr haben möchte.

Tschechen sind aktiv

Zum erstenmal seit den Januarwahlen in Polen mischte sich jetzt die tschechoslowakische Presse in die Innenpolitik des polnischen Nachbarlandes.

Staat ohne Geld

Dem neuen französischen Finanzminister Pflimlin kann man zum mindesten dieses eine Kompliment machen: es fehlt ihm nicht an brutaler Offenheit.

Was ist realistisch?

Außenminister von Brentano, befragt, was er von den außenpolitischen Ausführungen des Historikers und Exbotschafters George Kennern halte (die die ganze politische Welt in tiefes Nachdenken versetzten), antwortete brüsk und bündig, sie seien „wenig realistisch“.

Einer von vieren

Für alle Oberprimaner sind die Weihnachtsferien, die jetzt vor der Tür stehen, sozusagen die letzte Ruhe vor dem großen Prüfungssturm.

Sukarnos Kraftakt

Haßerfüllt sagte Abdur Rahman Sukarno, Indonesiens beredter Präsident: „Wir werden den Niederlanden die Lebensader in Indonesien abschneiden!“ Dazu kann man nun wirklich nur sagen: „Es geschieht meinem Vater ganz recht, wenn mir die Hände erfrieren.

Der Bluff des Ministerialdirektors

Die ZEIT hat am 23. Juli unter dem Titel „Ein Ministerialdirektor blufft“ über ein Urteil des Landgerichts Lüneburg berichtet, das einem Ministerialdirektor im Bundesverkehrsministerium attestierte, er habe in einer Vertragsangelegenheit widerrechtlich und unzulässig Einfluß genommen – ein Tatbestand, den Minister Seebohm kurzerhand als Bluff bagatellisierte.

Kronprinz im Weißen Haus

Obgleich Eisenhower sich schneller erholt hat, als selbst bei allem Optimismus erwartet werden durfte, kann niemand darüber hinwegsehen, daß immerhin noch drei Amtsjahre vor dem Präsidenten liegen.

ZEITSPIEGEL

„... Ich bin der Meinung, wenn ein Genosse hört, daß einer republikflüchtig ist, muß der erste Reflex bei einem Genossen sein – jedenfalls ist es bei mir so –: ‚Das ist ein Schwein‘, und dann erst kann ich mich mit ‚Psychologie‘ beschäftigen.

Vor zwölf Jahren: Am Ende von zwölf Jahren

Im Rathaussaal von Arnsberg tagt gegenwärtig ein Schwurgericht, das sich mit einem grauenhaften Verbrechen beschäftigt: Bei Warstein im Arnsberger Wald wurden im März 1945 auf Befehl des SS-Obergruppenführers Kammler 208 Angehörige sogenannter Fremdarbeitertrupps, darunter Frauen und Kinder, ermordet.

Ein Franzose über Franzosen

Warum eigentlich ist Frankreich nicht zu regieren? Das ist eine Frage, auf die La France déchirée (Zerrissenes Frankreich), das letzte Buch Jacques Fauvets, des jungen und begabten Innenpolitikers des Pariser Monde, zwar keine endgültige Antwort, aber doch eine Reihe überzeugender Erklärungen und Hinweise gibt.

Ein dialektisches Kolleg

Der polnische Unterrichtsminister Wladyslaw Bienkowski hat kürzlich während einer Diskussion, die die „außenpolitische Gesellschaft“ in Kopenhagen veranstaltete, die Begriffe Diktatur und Demokratie genau definiert.

Remis im Berliner SPD-Turnier

In der Berliner SPD wird jetzt in aller Offenheit der Kampf um den neuen Landesvorstand geführt, der auf dem außerordentlichen Landesparteitag am 12.

Floras Nadelstiche

Böse Hunde“ waren stark gefragt, als Paul Flora (der Zeichner der ZEIT) dieser Tage seine Weihnachtsausstellung bei Würthle, der führenden modernen Galerie Wiens, eröffnete.

Lektor und Kritiker

Ein Lektor ist ein vielgeplagter Mann. Er hat – wie man so sagt – eine „verantwortungsvolle“ Stellung in einem Verlag. Man sagt auch, ein Lektor sei ein beneidenswerter, glücklicher Mensch; er hätte ja nichts weiter zu tun – als zu lesen.

Es geht vorwärts

Der Zustand, in dem die beiden westlichen Besatzungsmächte dem deutschen Export-Auto viel Glück auf den Weg wünschten, es aber leider unterließen, dieses Vehikel mit Reifen auszurüsten, kann als im wesentlichen überwunden gelten.

Von der Kirche zum Theater

Als ich Christopher Fry im vorigen Jahr in seinem Waliser Sommerhaus besuchte, erzählte er mir, daß er zu dem Gastspiel des Berliner Ensembles nach London fahren werde.

Nichts Wesentliches

Die „Akademie der darstellenden Künste E.V., Hamburg-Wien“, die in München ihre Jahrestagung vor geladenen Gästen abhielt, strebt, wie man aus dem Munde des Versammlungsleiters Dr.

Die Spur von Erdentagen

Man geht nachts einen vertrauten Weg, an Obstgärten vorbei, nach Hause. Es ist sehr dunkel, etwas schwül. Man denkt an allerlei und gar nichts.

ZEITMOSAIK

Die uralten legendären Stoffe sind in doppeltem Sinne unerschöpflich: nach innen enthalten sie das Menschliche, Gleichbleibende in einer Verdichtung, die den Jahrtausenden widersteht und jedem neuen Geschlecht durch frische, unberührte Bruchflächen ergiebig wird, nach außen hin setzen sie die Phantasie der Welt unabhängig in Bewegung.

Luft! Luft!

Der Wettlauf der Weltmächte, mit Erdsatelliten in die bisher unbekannten Höhen der Atmosphäre vorzudringen und damit die Grundlagen einer Eroberung des Weltenraumes zu schaffen, hat gerade heute den Blick der Menschen auf unsere Lufthülle gerichtet.

Mensch und Masse

Schon im Aufstand der Massen (von dem vor kurzem im gleichen Verlag eine erweiterte Neuauflage – 398 S., 14,80 DM – erschienen ist) wurde deutlich, in welchem Maß Ortega vom Problem der Person, von ihrer Gefährdung durch die gewaltige Unperson Masse, von der Anstrengung, die es gilt, ihre Souveränität zu bewahren, fasziniert war.

Wo kein Baum blüht

Weniges ist so kennzeichnend für unsere Zeit wie Berichte aus der Gefangenschaft, aus irgendeiner Gefangenschaft, die mit schrecklicher Regelmäßigkeit auf dem Büchermarkt des Teiles unserer Welt erscheinen, in dem das Lager oder die Zelle noch nicht zum möglichen Erlebnisraum eines jeden geworden ist.

Glück zu siebt

Das bürgerliche Glück der Familie scheint um so vollkommener zu sein, je schablonenhafter es ist. Es stellt das Ergebnis eines reinen familiären Zusammenspiels dar, bei dem jedes Mitglied eine bestimmte Rolle mit einer unverwechselbaren Charakterisierung zu übernehmen und zu spielen hat.

Die Kinder Israels

Die Mächte, die das Leben des einzelnen und denLauf der Geschichte bestimmen, sind grausam. Wo Vaterland ist, Liebe, Idee, Gott – da sind Kampf, Blut und Tod oft nicht weit.

Vor sechzehn Jahren:: Pearl Harbour

Zu den Schicksalstagen, die sich dem Gedächtnis unserer Generation eingeprägt haben, gehört der 7. Dezember 1941, an dem die Japaner Pearl Harbour angegriffen und an dem der pazifische Krieg begann.

Na, wenn schon ...

Schallundrauch ist hier nicht schlechthin Name, sondern ein Name – das Pseudonym des Autors und seiner Frau in diesem autobiographisch abgefaßten Erstlingsbuch.

Baruch – Finanzier, Staatsmann, Philosoph

Es ist noch nicht so lange her, da konnte man in Washington vor dem Gitter, welches das Gelände des Amtssitzes des amerikanischen Präsidenten, das Weiße Haus, umzieht, einen hochgewachsenen, weißhaarigen Mann ziemlich regelmäßig um die Mittagszeit auf einer Bank sitzen sehen.

Gedichte werden wieder gekauft

Wenn man weiß, wie selten das wirklich Bemerkenswertein der Kunst ist – und je älter man wird, desto gewisser weiß man dies –, dann muß man es als Symptom einer außergewöhnlich günstigen Konstellation nehmen, daß in ein und demselben Jahre, ja, zu genau gleicher Zeit, drei Ausgaben deutscher Lyrik erscheinen, die auf die Zuerkennung des Meisterrangs Anspruch erheben dürfen.

Amerikas Empfangshalle

Terminal City in New York wird in wenigen Jahren der größte und modernste Flugplatz der Welt sein, wenn die Bauarbeiten weiterhin im geplanten Tempo durchgeführt werden.

Brüssel sorgt vor

Brüssel erwartet zur Weltausstellung im nächsten Jahr so große Besucherscharen, daß schon seit 18 Monaten „Logexpo“, eine eigens für die Ausstellung geschaffene Organisation, sich Gedanken darüber macht, wie die herbeiströmenden Menschen alle unterzubringen sind.

Notizen für Reisende

Drei neue Reiserouten nach Sibirien, von denen eine an den Baikalsee in Zentralasien führt, sind vom russischen Intourist ab sofort für ausländische Besucher freigegeben.

Dampflok ade!

Knapp 150 Jahre hat die Dampflokomotive brav und treu gedient, für ein ganzes Jahrhundert war sie der Träger des Landverkehrs und ein Symbol des Fortschritts und der Technik schlechthin.

In Münster anhalten

Kultur ist mehr als eine gut sitzende Krawatte. Reisende sollten in diesen Vorweihnachtstagen in der behäbigen Provinzial-Hauptstadt Westfalens halt machen und sich ansehen, wie Besinnlichkeit, Geschmack und Solidität, die das neue Münster geprägt und die Atmosphäre des alten wieder beschworen haben, auch die knifflige Geschmacksfrage der dezemberlichen Illumination in den Geschäftsstraßen gelöst haben.

Berlin: Der Senatspräsident

Die Dienststrafkammer beim Berliner Landgericht hat dem Berliner Senat eine fatale Nikolaus-Überraschung beschert: mangels ausreichenden Materials sei sie nicht in der Lage, das vom Senat im November beantragte Dienststrafverfahren gegen den Senatspräsidenten am Landessozialgericht Dr.

Königliche Kunst

In einer Morgenfeier in der Hamburger Musikhalle gedachten die Freimaurer des Gründungstages der ersten deutschen Loge (Absalom zu den drei Nesseln), die am 6.

Niedersachsen: Straßen-Streit um Carl von Ossietzky

Es ist keine Schande für einen studierten Mann, wenn er heute nicht mehr weiß, wer Carl von Ossietzky war: daß er nämlich von 1928 bis zum März 1933 die „Weltbühne“ herausgegeben hat, wo – unter den bekannten fünf Pseudonymen – Kurt Tucholski nahezu sein ganzes œuvre publizieren konnte, und wo man den „direkten“ Stil à la Tucholski pflegte .

Millionster Münchener: ein Baby

Die amtlichen Statistiker Münchens haben auf-, regende Tage. Denn ihre Stadt steht vor einem bedeutenden geschichtlichen Ereignis, und wann dies eintrifft, hängt jetzt ganz von ihrer Rechenkunst ab.

Gemeinsamer Markt: ja aber ohne Dirigismus

Die kürzlich von der „Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft“ – wie üblich in Bad Godesberg – abgehaltene Arbeitstagung stand unter dem Motto: „Welche Wirtschaftspolitik kann das Vertrauen des Wählers rechtfertigen?“ In einer Reihe glänzender Referate wurde hier die Forderung vertreten, der neue Bundestag müsse sich – sehr viel entschiedener als sein Vorgänger! – dagegen wenden, daß der Gedanke der sozialen Marktwirtschaft durch immer weitere Zugeständnisse an kollektivistische und staatskapitalistische Tendenzen „ausgehöhlt“ werde.

Dieses Opfer wäre zu groß

Das zweite Problem ist das der Gefahr eines internationalen Dirigismus. Das ist schon keine Gefahr mehr, sondern leider Gewißheit, wenn man die römischen Verträge liest.

Auf einen Blick ...

Endlich ist das undurchsichtige Hin und Her in der Zollbehandlung importierter Waren für den Privatverbrauch – also beispielsweise der „Jedermann-Importe“ – beendet worden.

Hermes greift ein

Andreas Hermes, der 79jährige Nestor der deutschen Bauernpolitik, will wieder aktiv im geschäftsführenden Präsidium des Bauernverbandes mitarbeiten.

+ Weitere Artikel anzeigen