Eßt mehr Benzin, überschrieb ein Münchner Blatt sarkastisch vor wenigen Wochen die Meldung, daß Brot teurer werden soll und gleichzeitig der Benzinpreis auf den Vor-Suezstand gesenkt wurde. "Trinkt mehr Bunkeröl", könnte man jetzt sagen; denn nachdem eine maßgebende Mineralölfirma ihre internationalen Bunkerölpreise gesenkt hat, soll jetzt das Bier in Bayern, wenn es nach den Brauern und Wirten ginge, um rund 10 v. H. teurer werden. Über ihren Antrag hat der Bayerische Ministerrat zu entscheiden; denn der Bierpreis in Bayern ist heute noch – nach etwa einem Jahrzehnt "freier" Marktwirtschaft – gebunden.

Im April war schon ein ähnlicher Antrag, von dem sich das Hotel- und Gaststättengewerbe eine Erhöhung seiner Gewinnspanne versprach, abgelehnt worden. Damals berief sich der Ministerrat auf die Bemühungen der Bundesregierung, die Preise stabil zu halten. Darauf plädierten die Wirte für eine Aufhebung der Preisbindung. Doch damit können sich die wettbewerbsunfreundlichen Brauereien nicht befreunden. Jetzt marschieren Wirte und Brauer gemeinsam. Sie wollen an der Preisbindung festhalten, wenn ihre Forderungen, nämlich den Brauereiabgabepreis bei der "Maß" Vollbier um 4 Pfennig und der "Schanknutzen" der Wirte um 5 Pfennig zu erhöhen, angenommen werden. Die Maß vom Faß soll also künftig eine Mark statt bisher 91 Pfennig kosten und die "Halbe" 52 Pfennig. Der Flaschenbierpreis soll sich je halben Liter von 50 auf 56 Pfennig erhöhen.

Das letzte Mal wurde der Bierpreis in Bayern 1952 erhöht. Seit dieser Zeit sind bei den Brauereien erhebliche Lohn-und Kostensteigerungen eingetreten. Die Wirte sagen, daß der gegenüber anderen Bundesländern niedrigere Schanknutzen in Bayern es schwer macht, noch gute Pächter für die Gaststätten zu finden. Daß Bayern auch nach einer solchen Preiserhöhung das billigste Bierland bleiben solchen macht dem einzelnen Konsumenten das Bier nicht schmackhafter.

Daß die bayerische Landesregierung soeben einen Antrag auf Erhöhung der Münchener Straßenbahntarife abgelehnt hat, betrachten Wirte und Brauer offenbar nicht als ein schlechtes Omen. In der Tat hat das Wort vom politischen Bierpreis auch in Bayern viel, wenn nicht alles von seiner einstigen Bedeutung verloren. t. r.