Von Ortwin Fink

Noch in keinem der vielen Handbücher guten Benehmens – weder bei Knigge noch bei Pappritz – habe ich verzeichnet gefunden, wie ein Besucher dem Gastgeber ein Buch zu geben habe, das er statt Blumen mitbringt: eingewickelt oder nicht?

Ganz recht: Statt Blumen. Ich wenigstens pflege schon lange trotz ungeklärten Anstandsregeln bei Besuchen ein Buch als Gastgeschenk hervorzuziehen an Stelle der einst obligaten Blumen, deren Preis und Haltbarkeit mir jahreszeitlich zu sehr schwanken. (Meine wohlhabenderen Bekannten wählen zuweilen auch die Kombination Blumen und Buch.)

Als Geschenke überreicht zu werden – das scheint mir der wichtigste Daseinszweck jener geschmackvoll gebundenen und auf sauberem Papier einwandfrei gedruckten Büchlein, die in den verschiedenen Kleinbuch-Reihen erscheinen.

Bewährt, bekannt und wohl keines besonderen Hinweises bedürftig sind die 40 bis 80 Seiten starken Bände der Piper-Bücherei (Textbände 2,00 DM, Bildbände 2,50 DM, farbige Bildbände 3,50 DM), die bereits unübersehbar vielfältig wurde mit ihren über hundert verschiedenen Titeln. Aus ihrer Sparte "Kunst und Künstler" stammt auch ein Bildband, der mir besonders lieb wurde und deshalb als Beispiel für die vielen anderen genannt sein soll, die in der Auswahl von der Eiszeitmalerei bis Picasso reichen. Mein Lieblingsband heißt:

"Dank in Farben – Aus einem Künstlergästebuch." R. Piper & Co. Verlag, München. 40 S., 3,50 DM.

Das kunstbeflissene Ehepaar Alfred und Thekla Hess beherbergte nach dem ersten Krieg in seinem Erfurter Haus viele Künstler. Sie alle trugen sich auf ihre Art – mit Autogrammen, Zeichnungen und sogar ganzseitigen Aquarellen – in ein Gästebuch ein. Eine Auswahl daraus nun bringt das Piper-Bändchen Illustrationen von Feininger, Kandinsky, Klee, Rohlfs, Heckel und anderen.