Von E. Daudistel

Reykjavik, im Dezember Ohne neue Bücher ist Weihnachten für uns Isländer kein Fest", brummelte ein alter isländischer Bauer, der neben mir vor einem der mehr als dreißig Bücherläden Reykjaviks mit Neuausgaben liebäugelte. Die Hauptstraßen dieses Städtchens am Rande der Arktis erstrahlen im gleichen weihnachtlichen Lichterglanze wie die Geschäftsstraßen anderer europäischer Hauptstädte. Und die Bücherläden zeigen im grellen Licht ihre Schätze.

"Unser schier endloser Winter wird uns eigentlich nie zu lang!", erzählte mir der Alte. "Wir vertreiben ihn uns mit Lesen."

Drinnen wühlten und kramten die Menschen an den Verkaufsständen herum. "Im vergangenen Jahre brachten wir zweihundert Neuerscheinungen, auf den isländischen Weihnachtsbüchermarkt", erzählte mir der Verkäufer. "Aber in diesem Jahr wird der Rekord vom Jahre 1945, in dem 240 neue Werke zu Weihnachten herauskamen, wahrscheinlich noch überboten werden."

Wie ich beobachten konnte, erfreuten sich isländische Romane und Gedichte, aber auch Reisebücher und Chroniken größter Nachfrage. Unter den Übersetzungen hatten Arzt- und Forscherromane, Reisebeschreibungen und naturwissenschaftliche Werke den Vorrang.

"Das war mein Leben von Professor Sauerbruch, war vor zwei Jahren ein Bestseller", erzählte mir der Verkäufer, während er dem alten Bauern, mit dem ich die Auslagen betrachtet hatte, mehrere Bücher in englischer und dänischer Sprache einpackte: Der Alte zog, ohne eine Miene zu verziehen, tausend Kronen (etwa 250 DM) aus der Brieftasche und schien zufrieden mit dem Kauf.

"Götter, Gräber und Gelehrte ist leider vergriffen, hörte ich den Verkäufer am Nebentisch einen Kunden abfertigen, "ebenfalls Kuml og haugfee (Islands Grabhügel und Grabgeschmeide)." Dieses erst kürzlich erschienene Buch wurde überall auf Island mit großem Interesse aufgenommen.