RH-Hamburg

Im Taximordprozeß, über den wir in diesem Länderspiegel (Nr. 50) ausführlich berichtet haben, verurteilte das Hamburger Schwurgericht den Angeklagten Gartmann wegen Mordes zu lebenslänglichem, den Angeklagten Fischer wegen versuchten Mordes zu zwölfjährigem Zuchthaus.

Während im Falle des 21 jährigen Gartmann keine andere Strafe in Frage kam, war bei dem erst 20jährigen Fischer zu entscheiden, ob er als Erwachsener oder als Jugendlicher anzusehen wäre. Wegen dieser Frage war der Prozeß ausgesetzt worden.

Wie stellt man fest, ob, wie es im Gesetz heißt, "die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Täters bei Berücksichtigung auch der Umweltsbedingungen ergibt, daß er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand"? Um das zu entscheiden, bestellt das Gericht einen Sachverständigen. Die Sache ist in solchem Falle der Angeklagte.

Nun hatte sich ein Diplom-Psychologe wochenlang mit dem 20jährigen Fischer beschäftigt und ein umfangreiches psychologisches und tiefenpsychologisches Gutachten ausgearbeitet. Er war zu der Erkenntnis gelangt, daß Fischer einem Jugendlichen unter 18 Jahren gleiche. Er trug sein Gutachten dem Gericht am zweiten Tage der Hauptverhandlung vor.

Dumpf, unerwacht, gehemmt und unterdrückt wirkte das mit Pickeln übersäte Gesicht Fischers, der in neun Jahren fünf Volksschulklassen schaffte und der, soweit er nicht der öffentlichen Fürsorge überlassen blieb, von seiner Mutter "erzogen" wurde, die man wegen Beihilfe zu diesem Mord und wegen schwerer Kuppelei im Gerichtssaal verhaftete. Da saß er auf der Bank neben dem glatten, intelligenten Gartmann. Man sah das ewige Paar des wachschlauen Verführers und des willensschwachen Mitmachers.

Als der Psychologe sein Gutachten vorgetragen hatte, sagte der Vorsitzende: "Ein Tiefenpsychologe hat mir einmal erklärt, für solche Untersuchungen wäre die Voraussetzung, daß der Untersuchte überdurchschnittlich und ehrlich ist."