Das Oberverwaltungsgericht Hamburg hat in dem Musterprozeß des Rechtsanwalts Dr. Hans Herrmann gegen die Hamburger Schulbehörde die Berufung der Behörde gegen ein Urteil verworfen, in dem das Landesverwaltungsgericht allen Eltern schulpflichtiger Kinder das Recht zusprach, die "Schülerberichte" einzusehen.

o. f., Hamburg

Der Rechtsanwalt Dr. Hans Herrmann ist ein angesehener Mann in Hamburg. Besonders wird er von vielen Eltern schulpflichtiger Kinder geschätzt, weil er in einem staunenswerten Alleingang gegen die Schulbehörde um Einsichtnahme – in jene Personalakten kämpft, die an den Schulen über jedes einzelne Kind geführt werden. Er hatte vor einigen Jahren von der Existenz dieser "Schülerberichte" erfahren und daraufhin die Schule gebeten, ihm doch den Bericht über eines seiner Kinder zu zeigen. Er wollte nämlich aus der Perspektive der verschiedenen Klassenlehrer einiges über die Veranlagungen und Mängel seines Sprößlings erfahren.

Sehr erstaunt war Vater Herrmann, als die Schulbehörde seinen Antrag ablehnte. Sie verwies auf ihre Richtlinien vom 2. 9., 1946, die durch ein internes Ständiges Rundschreiben an alle Schulen und durch die Richtlinien für die Erteilung von Zeugnissen und Schülerberichten vom 20. März 1951 bestätigt wurden. Darin wurden die Lehrer zur fortgesetzten "Sammlung aufschlußreichen Beurteilungsmaterials" verpflichtet, denn: "Diese Schülerberichte sollen als Unterlagen dienen für die Bestimmung der Schullaufbahn, für Prüfungsgutachten, für die Berufsberatung, für Besprechungen mit Eltern und für amtliche Auskünfte nach der Schulentlassung".

Zwar erklärte noch vor kurzem der Landesschulrat Matthewes: "Ich muß dementieren, daß Schüler durch Akten verfolgt werden", aber in dem von ihm selbst unterzeichneten Rundschreiben von 1951 steht bereits: "Die Schülerberichte sollen grundsätzlich mit dem Schüler wandern."

Die Ablehnung seines Antrags und der Umstand, daß diese sogenannten "Gedächtnisstützen" der Lehrer auch an das Arbeitsamt, an Gerichte und andere öffentliche Institutionen weitergereicht, den Eltern indes nicht gezeigt werden durften – all das erbitterte den Vater und Rechtsanwalt Herrmann sehr.

Er erhob im Juni 1956 Einspruch gegen den Bescheid der Schulbehörde, daß sie die Einsichtnahme "aus prinzipiellen Gründen nicht gestatten könne, weil durch "Offenlegung der Schülerberichte diese farblos und unzuverlässig" würden. Das Landesverwaltungsgericht Hamburg gab ihm recht und hob die Ablehnung der Schulbehörde auf. Das Gericht entschied sogar, dieser Beschluß verpflichte die Behörde, die Akten endlich dem Kläger zu zeigen. Eine Teilabschrift des Originals wurde auf Veranlassung des Gerichts in der Verhandlung dem Vater vorgelesen. Weitere Akten, hieß es später, seien nicht vorhanden. Dr. Herrmann vermutet aber, daß es sie gibt. Er besteht darauf, auch noch den ‚geheimen Rest’ zu sehen.