DIE ZEIT

Bulganin-Philologie

Die großen Staatsmänner der westlichen Welt hatten schon begonnen, ihre Koffer für die Fahrt nach Paris zu packen, da ließ ihnen der Kreml als kleine Aufmerksamkeit noch eine Reiselektüre überreichen: Briefe des sowjetischen Ministerpräsidenten Bulganin.

Den Frieden nicht sehen...

Warum, in düsteren Zeiten, denke ich an Web Miller? Ein es Tag es schenkte er mir sein Buch „I found no Peace“, dessen Titel „Ich fand keinen Frieden“ in der deutschen Übersetzung nicht völlig korrekt wiedergegeben war.

Ludwig Erhard:: Von Maß und Mitte

Gerade das deutsche Volk, das über so viel Irrungen und Wirrungen hinweg sein Schicksal wieder glücklich zu gestalten wußte, dürfte in den Weihnachtstagen und an der Schwelle des neuen Jahres das Bedürfnis haben, einmal anzuhalten, zu fragen und zu prüfen, wo es in dieser unruhevollen Welt steht und wohin es will.

Überraschungen in Paris

Welch ein Glück, daß die Monster-Konferenz der NATO in Paris stattfindet! In einer Stadt also, die lebendige Geschichte ausstrahlt und in der man auf Schritt und Tritt erlebt, wie eine geschichtsbewußte Nation sich manifestiert in ihren Domen und Palais und auch in den Statuen ihrer Könige, Marschälle und Generäle, die hoch zu Roß die Plätze beherrschen – in einer Stadt, in der auch der graueste Himmel noch Schattierungen von Rosa bis Violet auszustrahlen scheint.

Japan zahlt Indonesien

Einzelheiten über das Reparationsabkommen mit Japan hat jetzt den indonesuche Ministerpräsident Kartawidjaja bekanntgegeben.

Keine Ruhe um das Heilige Land

Von Zeit zu Zeit tauchen in den diplomatischen Kanzleien neue Lösungsvorschläge für den arabisch-israelischen Konflikt auf. Der Gedanke, diesen Streit endlich einmal aus der Welt zu schaffen, nachdem er seit fast einem Jahrzehnt die Atmosphäre im vorderen Orient vergiftet, ist verlockend genug.

Scharfmacher oder Lenker?

Die Industriegewerkschaft Metall hat ihren Ersten Vorsitzenden Otto Brenner wieder einmal auf das Podium geschickt und durch seinen Mund eine neue Lohnerhöhung und zugleich eine weitere Kürzung der Arbeitszeit gefordert.

ZEITSPIEGEL

„Wenn bis zum 15. Dezember Ihre Bestellung in unseren Händen ist, verzichten wir auf den branchenüblichen Vorbehalt, daß der am Tage der Lieferung gültige Preis berechnet wird.

Landkarten-Korrektur: Erst nach dem „Tage X“?

Bundesinnenminister Dr. Gerhard Schröder hat in der letzten Fragestunde des Bundestages erklärt, die Neugliederung des Bundesgebietes solle „im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zur Entscheidung gestellt werden“.

Pankow sagt: Hauptstadt

Während im Reiseverkehr zwischen den westlichen Ländern die Paßbestimmungen immer mehr gelockert werden, sucht die Sowjetzonenregierung ihre westliche Grenze schärfer denn je abzuriegeln.

Die Grenzen der Demoskopie

Kaum war das Allensbacher Jahrbuch auf dem Markt, da bekam man die Meinung zu hören, die Demoskopie sei eine verläßlichere Interpretin der öffentlichen Meinung als die Zeitungen, die Demoskopie sei berufen, die Presse in dieser Rolle abzulösen.

Wein-Nacht oder Weihnacht?

Ei, das muß immer saufen und fressen und Geschäfte machen. Sei diese Klage zu Weihnachten berechtigt oder unberechtigt – neu ist sie nicht.

Junggesellen am Heiligen Abend

Ein Junggeselle, wie er im Bilderbuch steht, hat bekanntlich ein beneidenswertes Dasein. Für niemand zu sorgen, keinen Ärger mit Kindern, keine Frau, die Ansprüche stellt.

Musik unterm Tannenbaum

Vielleicht wäre die Welt besser, sicherlich aber wäre sie schöner, wenn überall das Bessere dem Minderen vorgezogen würde: wenn zum Beispiel am Heiligen Abend in den Stuben (soll es schon Musikkonserve sein und nicht Familiengesang), statt der allzu üblichen „Weihnachtsplatten“ die Aufnahme erklänge, die das Kennwort „Capella“ trägt.

Risiko für Weihnachtsmänner

Sie hatten schnellen Nebenverdienst versprochen, und ich ging hin in ihr Büro und stellte mich vor. Das Büro war in einer Kneipe, hinter einer beschlagenen Glasvitrine, in der kalte Frikadellen lagen, Heringsfilets mit grau angelaufenen Zwiebelringen, Drops und sanft leuchtende Gurken in Gläsern.

Wo steht die Kunst heute?

Die Katholische Akademie in Bayern widmete eine Tagung in Grünwald bei München dem Thema „Wo steht, die Kunst heute?“ Außer den Diskussionen hatte alles das Gepräge einer wirklich bedeutenden Bemühung um geistige Orientierung.

In der Josefstadt: Zeitprobleme heiter präsentiert

Der Josefstadt ist es gelungen, einen neuen „österreichischen“ Autor zu entdecken: Arthur Miller, dessen „Blick von der Brücke“ dieser Tage in Wiens einstigem Reinhardt-Theater startete.

Der arktische Winter erzieht Leser

Reykjavik, im Dezember Ohne neue Bücher ist Weihnachten für uns Isländer kein Fest“, brummelte ein alter isländischer Bauer, der neben mir vor einem der mehr als dreißig Bücherläden Reykjaviks mit Neuausgaben liebäugelte.

ZEITMOSAIK

Françoise Sagan begnügt sich nicht damit, drei bestsehende Romane hintereinanderweg geschrieben zu haben, sondern will jetzt auch die Bühne erobern.

Nr. 51 vom 18. Dezember 1947: Theaterkritik

Ich meine, daß bei uns das Theater überschätzt wird. Das liegt meiner Meinung nach daran, daß man gegenüber Dingen des Theaters am ungefährlichsten seine Meinung äußern dürfte und darf, und es fließt in eine Kritik über eine Theatervorstellung manches Wörtchen mit ein, das „über dem Strich“ zu sagen in den letzten fünfzehn Jahren nicht möglich war und auch heute noch nicht möglich ist.

Frankfurter Opern mit Marianne

Müssen griechische Soldaten unbedingt zuckrig weiße Helme tragen, die aussehen, als hätte ein Konditor sie gebacken?“ fragte Marianne, die Opernfreundin, anläßlich der Neuinszenierung von Glucks „Iphigenie in Aulis“.

Was wird Weihnachten gefeiert?

„Englische Kinder – so schreibt Rose Macaulay wissen nicht immer recht, was sie antworten sollen, wenn man sie fragt, was eigentlich zu Weihnachten gefeiert wird.

Der Weg des Unermüdlichen

Als Berlin noch die Hauptstadt des Reiches war, gab es dort eine Garde von Musikkritikern, ohne deren wachen Geist das deutsche Musikleben nie jenes Niveau erreicht hätte, das die ganze Welt bewunderte.

Die „Sache“ Fischer

Im Taximordprozeß, über den wir in diesem Länderspiegel (Nr. 50) ausführlich berichtet haben, verurteilte das Hamburger Schwurgericht den Angeklagten Gartmann wegen Mordes zu lebenslänglichem, den Angeklagten Fischer wegen versuchten Mordes zu zwölfjährigem Zuchthaus.

Kränzchenkonferenz

Ist es nicht reizend von den Herren, daß sie auch gekommen sind?“ fragte mich eine ältere Frau, eine von den zweitausend, die zum Ersten Deutschen Kaffeekränzchentreffen ins Hamburger Curio-Haus gekommen sind.

Griechenland zu dritt

Griechenland aus amerikanischer und englischer Sicht – das alte und das neue Griechenland, die wir kennen und doch wieder nicht: zwei Schweizer Verlage verschaffen uns das Vergnügen, aus dieser Perspektive zu Europas Anfängen zurückzublicken.

Kein Staub auf den Klassikern

Wenn man sieht, wieviel Großartiges schon geschrieben worden ist, dann möchte man selber keine Zeile mehr schreiben! Jeder, der sich dem Geschäft des Schreibens ergeben hat, kann den in dieser Form von Goethe übernommenen Stoßseufzer wohl zuweilen nachempfinden.

Männer, Frauen und Geliebte

Gegen die Unruhe des politischen sticht die Ruhe unseres gesellschaftlichen Lebens ab. Optimisten glauben, daß wir in Westdeutschland den Weg zurückgehen in eine heile bürgerliche Welt; Pessimisten halten die gegenwärtige Ruhe für eine Grabesruhe, die Bürgerlichkeit für Klischee, die sich wieder stabilisierende Ordnung für Heuchelei.

Wohin zur Kur?

Na, wo fehlt’s denn?“, fragt der Arzt, wenn wir zu ihm gehen oder er uns eine Visite macht, und „Na, wo fehlt’s denn?“ fragen wir ihn, wenn er seine Untersuchung abgeschlossen hat.

An der Diavolezza

Das Land der silbernen Farbtöne, wie Nietzsche das Oberengadin nannte, ist ein Stück Land wie zur Freude der Menschen geschaffen.

Ausgerechnet Sibirien

Gewiß, Rußland ist groß, vielgestaltig und faszinierend, und wer es sich leisten kann, es wieder, endlich wieder, als Reisender zu besuchen, sollte das tun.

Notizen für Reisende

Einen Kurenausgleich auf Gegenseitigkeit für Sozialversicherte will der „Deutsche Bäderverband“ jetzt in den 16 Mitgliedsstaaten des Europa-Union schaffen.

Optimisten...

Seitdem der Zinssatz für festverzinsliche Wertpapierevon acht auf siebeneinhalb v. H. abgesunken ist, halten manche Optimisten die Einführung des siebenprozentigen Typs nur noch für eine Frage der Zeit.

Die Partnerschaft von Kapital und Arbeit

Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist in den Industrien der westlichen Welt, besonders in Ameka, eine Revolution vor sich gegangen, zu der ein Buch den Text und keine Trompete das ignal gegeben hat.

Auf einen Blick...

Nach langem Ringen wurde mit der argentinischen Regierung eine Vereinbarung über das beschlagnahmte deutsche Vorkriegseigentum getroffen.

Namen – die Begriffe wurden

Die Bekleidungsindustrie ist jung. Ihre Tradition reicht – von Vorläufern abgesehen – meist kaum über drei Generationen hinaus.

Auch der Bierpreis wackelt

Eßt mehr Benzin, überschrieb ein Münchner Blatt sarkastisch vor wenigen Wochen die Meldung, daß Brot teurer werden soll und gleichzeitig der Benzinpreis auf den Vor-Suezstand gesenkt wurde.

Es ist ein weiter Weg von Weihnachten bis Pfingsten

Mit Hochdruck wird in Bonn an den Plänen zur Reform des Kapitalmarktes gearbeitet. Auch die kommenden Feiertage werden den durch Beratungen am laufenden Band strapazierten Experten des Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministeriums nur eine kurze Verschnaufpause gewähren.

Renten-Arithmetik zum Jahresende

Eine der Fristen, die am 31. Dezember 1957 ablaufen, bezieht sich auf die Befreiung der Angestellten (mit einem Monatsgehalt von mehr als 750 DM bis 1250 DM) von der Versicherungspflicht.

+ Weitere Artikel anzeigen