B. R.-H., Düsseldorf

Das Damenoberbekleidungsgewerbe verdrängt die Kunst", klagte Kunstmaler E. A. Kohlschein im Düsseldorfer Künstlerverein Malkasten. Die Musen müssen ihr Haupt verhüllen, wenn die Dekors und Dessous mondäner Mannequins den Geschäftsleuten, Ausstellungsmanagern und Stadtvätern Profit und gute Geschäfte versprechen. Dieser Eindruck drängt sich jedenfalls auf, hört man von den Schwierigkeiten, die der 1844 gegründete Verein der Düsseldorfer Künstler zu gegenseitiger Unterstützung und Hilfe mit seiner Winterausstellung 1957 in der "Kunststadt" Düsseldorf hatte.

Die Ausstellung eröffnete in diesem Jahr sehr spät, nämlich erst am 8. Dezember. Die NOWEA (Nordwestdeutsche Ausstellungsgesellschaft mbH) hatte bis in die letzten Novembertage hinein alle verfügbaren Räume an die IGEDO (Interessengemeinschaft des Damenoberbekleidungsgewerbes) vermietet.

Auch muß die Ausstellung in den sehr provisorischen D-Hallen des Düsseldorfer Ausstellungsgeländes (der Volksmund nennt sie: "NOWEA-Scheunen") gezeigt werden. Hier ist das Licht unzulänglich und der Platz knapp.

Aber andere Ausstellungsräume gibt es nicht in der sogenannten Kunststadt am Rhein. Die im Krieg beschädigte Kunsthalle im Stadtzentrum steht auf der Abbruchliste. Laut Auflage des Regierungspräsidenten soll sie einem Parkplatz für das gegenüberliegende Opernhaus weichen. Der ehemalige Kunstpalast, vor fünfzig Jahren für Kunst und Künstler erbaut, dient seit langem vorwiegend wirtschaftlichen Zwecken.

So ging die Kunst auf Wanderschaft und suchte ein Asyl, um ihre Ausstellung nicht ausfallen zu lassen. Die Jury mußte im unzulänglichen Grünen Saal des ehemaligen Planetariums, heute Rheinhalle genannt, bei elektrischem Licht ihre Arbeit tun. Sie sichtete rund 1200 Einsendungen von über 400 Künstlern aus Rheinland und Westfalen. 570 Gemälde, Aquarelle, Graphiken und Plastiken wurden ausgewählt. Da nun eine Lebensmittelfirma den Grünen Saal für ihre Veranstaltung beanspruchte, mußten die Ausstellungsstücke erneut verpackt und in Möbelwagen auf dem Güterbahnhof Düsseldorf-Bilk gelagert werden, bis die Hängekommission ans Werk gehen durfte.

Noch etwas anderes empört in diesen Wochen die Kunstfreunde in Düsseldorf: Für die DRUPA 58 (Ausstellung Druck und Papier) müssen die Kunstsammlungen im Ehrenhof und das Hetjensmuseum für etwa ein halbes Jahr, ausgelagert werden. Die NOWEA hat einen Vertrag aus dem Jahre 1947, nach dem sie bei großen Veranstaltungen auch auf die Räume der Kunst Anspruch hat. Vertrag ist Vertrag...

Ein Teil der Kunstwerke kann in den Kellerräumen gelagert werden. Ein Teil wird in Möbelwagen verfrachtet und evakuiert. Wohin, ist noch unklar. Vielleicht auch auf den Güterbahnhof Düsseldorf-Bilk?