Einen Kurenausgleich auf Gegenseitigkeit für Sozialversicherte will der "Deutsche Bäderverband" jetzt in den 16 Mitgliedsstaaten des Europa-Union schaffen. Der Präsident des Deutschen Bäderverbandes teilte kürzlich mit, eine stattliche Zahl deutscher Bäder habe bereits zugesichert, daß sie auch auf diesem Wege dem europäischen Gedanken dienen wollten. Zum ersten Male in der Geschichte des Bäderwesens in Deutschland hat die Jahresbilanz mehr als zwei Millionen Kurgäste – doppelt soviel wie 1950 – in Heilbädern und Kurorten erreicht. Die deutschen Badeorte haben damit einen Anteil von rund 45 Prozent am gesamten Fremdenverkehr in der Bundesrepublik erreicht.

Gegen die Übervorteilung der Touristen soll jetzt – ähnlich wie in Bayern – auch für das österreichische Bundesgebiet ein einheitliches Grundsatzgesetz über die Heil- und Kurorte erlassen werden. Nach dem geplanten Gesetz werden dann die Bezeichnungen "Heilbad" oder "Kurort" gesetzlich geschützt sein. Für die Anerkennung als Luftkurort müssen beispielsweise wissenschaftlich anerkannte klimatische Faktoren vorhanden sein, die von einer ortsgebundenen klimatischen Beobachtungsstation ständig kontrolliert werden. Kurort können nur solche Gemeinden werden, die ganz bestimmte medizinische Voraussetzungen erfüllen. Sie müssen ferner mit einwandfreien Versorgungsanlagen, geschultem Personal und besonders guten Unterkünften aufwarten können.

Eine dritte Klasse im Flugverkehr (seltsamerweise nach dem 34-Zoll-Abstand der Sitze T 34 genannt) wird demnächst eingeführt. Diese soziale Distanzierung, die Filmstars und Generaldirektoren von anderen Reisenden trennt, wird durch die neuen Düsenverkehrsflugzeuge hervorgerufen. Sie lösen auf vielen Routen die viermotorigen Langstreckenmaschinen ab, die nicht den gleichen Preis verlangen können wie die neuen Maschinen, wenn sie ihre Kundschaft nicht verlieren wollen. Eines Tages wird dann die allgemeine Nivellierung die verschiedenen Klassen im Flugverkehr wieder abschaffen oder einschränken – wie es neuerdings schon auf den Schiffen und auf allen europäischen Eisenbahnen geschehen ist.

Die lästige Bahnsteigsperre ist versuchsweise ab Mitte Dezember auf dem Leipziger Hauptbahnhof gefallen. Wenn sich diese Erleichterung des Reiseverkehrs bewährt, so meldet die Sowjetzonenagentur ADN, sollen im kommenden Jahr alle Bahnhofsperren in der Zone abgeschafft werden. Dann wird die Bundesrepublik einer der letzten europäischen Staaten sein, in dem der Zutritt zu den Zügen mit althergebrachter Gründlichkeit bewacht wird.