Na, wo fehlt’s denn?", fragt der Arzt, wenn wir zu ihm gehen oder er uns eine Visite macht, und "Na, wo fehlt’s denn?" fragen wir ihn, wenn er seine Untersuchung abgeschlossen hat. Oft könnte eine Kur in einem der zahlreichen Bäder der Bundesrepublik heilen oder einer schweren Erkrankung vorbeugen und "Wohin denn nun?" heißt die nächste Frage, die sich dem Arzt, und uns, den Patienten, oft genug stellt. Da hilft sowohl ihm wie uns der "Deutsche Bäderkalender" (Verlag Ludwig Flöttmann, Gütersloh) – für 1958 vom Deutschen Bäderverband gerade neu herausgegeben. Darin steht nun wirklich auch fast alles, was uns helfen kann, den Ort auszusuchen, der uns Heilung bringen soll. Sogar die geographische Höhe der Orte und die Namen und Adressen der Kurärzte werden dem Leser mitgeteilt, und auch die oft reichlich besessene Höhe der Kurtaxen wird nicht verschwiegen.

In Bild und Wort stellen sich dem Leser alle Bäder des Landes vor, mit allen "Heilanzeigen", die zur Heilung der vielen Leiden, die den Menschen befallen können, geeignet sind. Manche Seebäder können allerdings nichts anderes als "feinsandigen Strand" angeben. Vielleicht wäre es besser gewesen, diese Bäder, die keinerlei spezifische Heilanzeige aufzuweisen haben, aus dem Kalender herauszulassen. Denn abgesehen davon, daß man die Beschaffenheit des Strandes einiger Bäder in der Lübecker Bucht auch ganz anders als feinsandig nennen könnte, wird die Vorstellung davon, was nun wirklich ein Heilbad und nicht nur ein Frei- und Erholungsbad ist, ein wenig verwirrt. Ähnlich irritierend wirkt auch, daß viele Seebäder als Kurzeit Frühjahr und Herbst angeben, während andere, in fast gleicher Lage, auch den Sommer oder gar das ganze Jahr mit einbeziehen. Sollte da ein "Zufall" im Spiele sein? Etwa der, daß die meisten Bäder in der Saison sowieso überfüllt sind?

Für diese Zweifel entschädigen jedoch einige wohlfundierte Artikel aus der Feder von Kurfachärzten. Man erfährt, warum man bei bestimmten Leiden gerade dieses und nicht ein nur ähnliches oder gar beliebiges anderes Bad aufsuchen soll. Dem Laien sind diese Artikel allerdings ohne Zuhilfenahme eines medizinischen Wörterbuches kaum zugänglich. Sie wenden sich aber auch weniger an den Patienten als vielmehr an den Arzt. Denn er ist es, der in erster Linie die Frage zu beantworten hat: "Wohin zur Kur?" J. C. P.