Die „anderen“, das waren die, die noch ahnungslos nachkamen. Mittlerweile war auch ihre genaue Zahl festgestellt: Es waren genau achtzig. In Gruppen von rund 15 Mann wurden sie zur Exekutionsstätte gebracht. Der Rest kam immer zu Fuß nach. Die Exekutionen dauerten insgesamt von 23 bis 6 Uhr.

„Es ging alles sehr ordentlich zu”

Gaedt: Wir hatten die ganze Nacht schwer gearbeitet und waren innerlich ganz zerrissen. Ich ließ Zigaretten und Alkohol austeilen. Den Alkohol lehnten die meisten Soldaten ab. Einer meiner Männer hat sich übrigens geweigert, Russen zu erschießen. Ich habe ihn mir vorgenommen. Er sagte: Herr Oberleutnant, ich bin glaubensmäßig gebunden, ich kann das nicht. Ich hatte große Hochachtung vor ihm, mußte ihn aber zusammenstauchen – wegen der Disziplin. Ich habe ihn fürchterlich angeschrien, aber er brauchte nicht selber zu schießen.

Anschließend haben wir dann die Sachen der Russen verbrannt. Es ging alles sehr ordentlich zu: Keiner hat sich an den Sachen vergriffen. Dann haben wir Schuhe und Schanzzeug gesäubert und sind in die Unterkunft gefahren. Ich konnte nicht schlafen, so aufgeregt war ich...

Morgens habe ich dann Miesel angerufen! Der fragte, wieviel wir erschossen hätten. Ich sagte: Achtzig. Miesel fragte sehr erregt zurück: Warum denn achtzig und nicht hundert? Ich sagte, ich hätte nur achtzig empfangen. Miesel sagte: Na – egal, es wird sowieso noch mehr von dem Pack erschossen ...

„Die Russen gingen im Gänsemarsch. Links die Russen, rechts ein SS-Mann. So mußten sie zur Grube marschieren. Da lagen schon Leichen. Ich hielt mich etwas abseits.“ So berichtet der ehemalige SS-Untergruppenführer Heinz Zeuner, damals Ordonnanz-Offizier bei Kammler. Er selber hatte keine Funktion bei den Erschießungen. Er sollte nur seinem Chef den Vollzug melden. Aber es kam anders.

Zeuner: Wie ich da so stehe, läuft auf einmal einer aus der Reihe heraus. Meine Überlegung war: Menschen versuchen in solcher Situation das Letzte. Der lief auch direkt auf mich zu. Da dachte ich: In so einer Situation macht der noch das Unmöglichste. Man kann das ja nie wissen, wo der doch auf mich zukam. Da habe ich blitzschnell auf den Mann – nein, also nicht auf den Mann, sondern in die Richtung geschossen. Da ist er noch was gelaufen und fiel um. Ich möchte einflechten, daß der Mann mir zu diesem Zeitpunkt leid tat. Ich meine, das ist doch allerhand: Dieser Mann hatte doch den Mut, sich aus der Gruppe zu lösen ...