Der Erfolg eines Buches hängt nicht von den Maischen ab, die es gelesen haben, sondern von jenen, die es nicht gelesen haben, aber trotzdem. darüber urteilen. – Evelyn Waugh

Gefahr für Somietköpte

Eine Moskauer Ausstellung anläßlich des vierzigjährigen Bestehens der Sowjet-Malerei enthüllte drastisch die bereits seit längerem zu beobachtende Tendenz: weg vom Porträt. Nur Lenin-Bilder waren noch zu sehen – sonst keiner der beliebten Ganzleinwand-Köpfe politischer Sowjetprominenz, wie sie Besucher der Ostblockstaaten immer als besonders charakteristisch empfunden haben. Der Grund für das plötzliche Aussterben der Porträts ist zweifellos darin zu suchen, daß die Prominenz fürchtet, des "Personenkults" verdächtigt zu werden, wenn sie sich malen läßt.

Zwei Dichter auf einen Streich

Der "Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen" für 1957 wurde jetzt dem 37jährigen deutschen Lyriker Paul Celan zugesprochen, der als Übersetzer und Sprachlehrer in Paris lebt. Die Übergabe des Preises, der mit fünftausend Mark dotiert ist, erfolgt, wie es heißt, "am 26. Januar anläßlich des 80. Geburtstages des Dichters Rudolf Alexander Schröder". Paul Celan erscheint uns der Ehrung besonders würdig; und Rudolf Alexander Schröder ist ein ehrwürdiger Nestor der deutschen Dichtung – doch wäre getrennte Ehre nicht für jeden der beiden höhere Ehre?

Was kostet ein Studium?

Als monatliche Kosten für ein Universitätsstudium hat der "Stifterverband für die deutsche Wissenschaft" 305 DM errechnet. Die verteilen sich folgendermaßen: Studiengebühren und Literatur 67 DM – Miete 70 DM – Verpflegung 100 DM – Bekleidung und Wäsche 28 DM – Hygiene 20 DM – kulturelle Bedürfnisse 20 DM. Bißchen viel Hygiene, scheint uns, und bißchen wenig "kulturelle Bedürfnisse".