In Bayern jagen sich seit einigen Monaten die Lebensmittelskandale. Mit der Aufdeckung der Herstellungsgeheimnisse unschmackhafter Butter aus dem Münchener „Milchhof“ fing es an; dann kam ein großer Münchener Metzger dran, dessen Fleischwaren Appetit und Gesundheit der vertrauensseligen Kundschaft bedrohten; dann war es ein Nährmittelhändler, in dessen Packungen sich allerhand Ungeziefer tummelte. Jetzt kamen umfangreiche Lebensmittelverfälschungen in mehreren Geschäften in Bamberg zutage, die zwar von der staatlichen chemischen Untersuchungsanstalt Erlangen festgestellt, jedoch von dem Leiter und einem Oberinspektor des städtischen Gewerbeamtes nicht pflichtgemäß an die Staatsanwaltschaft weitergemeldet worden waren. Auch hier handelt es sich um Zustände, die eine unzweifelhafte Gefährdung der Käufer bedeuten.

Die Häufung solcher Falle läßt in erschreckender Weise erkennen, in welchem Maße unser Wirtschaftsleben von Elementen durchsetzt ist, denen es in ihrem hektischen Betreten, schnell und massenhaft Geld zu machen“, auf die Überschreitung der Grenze zum Kriminellen durchaus nicht ankommt. Dabei handelt es sich fast durchweg nicht etwa um kleine Unternehmer, die „noch etwas werden wollen“, sondern um renommierte Großbetriebe! Es ist, als seien wir unter die Räuber gefallen! Und das Fatalste daran: es erinnert lebhaft – bekanntlich ist ja alles schon einmal dagewesen – an die Verhältnisse, aus denen sich seinerzeit der Schrei nach dem „starken Mann“ und dem „eisernen Besen“ erhob.

Videant consules... Horcher