G. Z., Offenburg

’Prominentester Häftling auf dem Hohenasperg war bis Dienstag der Studienrat Ludwig Zind aus Offenburg. Wie er zu dieser zweifelhaften Ehre kam, ist eine traurige Geschichte.

Ludwig Zind – das muß vorweg gesagt werden – ist wahrhaftig kein „ehrenwerter Mann“ und ganz gewiß ist er ein schlechter Erzieher. Wir hören mit Abscheu, daß er in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1957 im „Zähringer Hof in Offenburg erklärte: „Die Nazis haben noch viel zu wenig Juden vergast.“ Und alle unsere Sympathien gehören Zinds Tischnachbarn, dem von den Nazis verfolgten Kaufmann Kurt Lieser, der später beim Oberrat der Israeliten Badens seinem Herzen Luft machte über die Biertischtiraden des Studienrats.

Der geräuschvollen Nacht folgte indes Stille. Viele Monate lang. Die Sache ging den (allzu langsamen) Dienstweg. Soweit – so schlecht.

Doch was nun im Januar 1958 kam, war nicht besser als das Dreivierteljahr des Totschweigens: Einige Zeitungsnotizen mit Klagen über die schleppende Behandlung der Angelegenheit lösten eine Lawine aus. Der „Fall Zind“ war geboren, und als der Baden-Württembergische Landtag sich seiner annahm, wurde die Sache zu einer „Staatsangelegenheit“.

Als Sündenbock abgestempelt wurde das Kultusministerium, weil die Zind-Akten im Freiburger Oberschulamt zuviel Staub angesetzt hatten. Doch nun trat der Justizminister Dr. Haußmann, FDP, auf den Plan. Bereits am Tage nach der heftigen Landtagsdebatte, bei der der Regierungschef Dr. Gebhard Müller ernst gemahnt hatte, nicht in ein schwebendes Verfahren einzugreifen, wurde der Offenburger Oberstaatsanwalt Dr. Carl Naegele nach Stuttgart beordert. Das Ergebnis: Ludwig Zind wurde sofort verhaftet unter der Beschuldigung, Gewaltverbrechen öffentlich gebilligt und das Ansehen Verstorbener beleidigt zu haben. Und so kam er auf den Hohenasperg und hat nun gar keine schlechten Chancen, wohl gar noch zu einem „Märtyrer“ für die Sache der wenigen Nazis zu werden, die es noch gibt.

Wie gut wäre es gewesen, man hätte den Fall Zind bereits vor acht Monaten nüchtern und sachlich überprüft. Daß Zind vor den Richter gehört, daß seine antisemitischen Äußerungen nach disziplinarischen und strafrechtlichen Gesichtspunkten untersucht werden müssen – das ist keine Frage. Fragwürdig jedoch ist, wie dieser Fall bisher behandelt wurde – erst zu schleppend und dann zu scheppernd.