Von Heinz Stuckmann

In der Zeit vom 20. bis 22. März 1945 wurden in Warstein (Sauerland) 129 Männer, 77 Frauen, und 2 Kinder (sogenannte russische Fremdarbeiter) ohne ersichtlichen Grund von Männern einer SS-Division erschossen (siehe auch DIE ZEIT Nr. 50 vom 12. Dezember 1957 und Nr. 1 vom 2. Januar 1958). Am 2. Dezember 1957 wurde gegen sechs Haupttäter ein Prozeß eröffnet. Am 12. Februar 1958 sprach das Schwurgericht von Arnsberg nach 21 Verhandlungstagen das Urteil;

Der Justitiar Wolfgang Wetzling (ehemaliger SS-Obersturmbannführer und SS-Oberfeldrichter) wird wegen Totschlags an 151 Menschen zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Der Fabrikant Ernst Moritz Klönne (ehemaliger Hauptmann) wird wegen Beihilfe zum Totschlag von 71 Menschen zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Das Verfahren gegen den Regierungsassessor Johann Miesel (ehemaliger SS-Sturmbannführer) wird gemäß dem Straffreiheitsgesetz von 1954 eingestellt, da keine höhere Strafe als drei Jahre Gefängnis zu erwarten ist.

Der kaufmännische Angestellte Bernhard Anhalt (ehemaliger SS-Sturmführer), der Gewerbe-Oberlehrer Helmut Gaedt (ehemaliger Hauptmann) und der Vermessungstechniker Heinz Zeuner (ehemaliger SS-Sturmführer) werden freigesprochen, da für sie ein Befehlsnotstand vorlag.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Hauptangeklagten Wetzling lebenslänglich Zuchthaus, für Anhalt, Gaedt, Miesel und Klönne je fünf Jahre Zuchthaus und für Zeuner die Einstellung des Verfahrens beantragt.