Fern, fern sei es von mir, einem Menschen der Tiefebene, über den Gipfelsturm-und-Drang, der aus diesem Roman quillt, den Alpenstab zu brechen:

John Masters: "Fern, fern der Gipfel", Lothar Blanvalet Verlag, Berlin; 511 S., 19,80 DM.

Nacheinander nimmt Peter Savage, stahlharter Gipfel- und Frauenfresser, die Schweizer Alpen, den San Michele und einen Berg namens Meru im Pundschab in Angriff. Damit verknüpft der gediegene Verfasser von Erfolgsbüchern zwei Liebeshandlungen, ein Ehedreieck, mehrere Abstürze und die Segnungen der britischen Verwaltung in Indien in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

Es begibt sich etwa folgendes: Peggy liebt Peter, Peter liebt das Matterhorn. Gerry ist ein guter Freund. Bei der Hoernli-Hütte aber geht Emily zu Peter, und "er war nicht sanft mit ihr". Darauf heiraten sie. Peggy bekommt Harry, der bei einem Erdbeben in Indien "schlappmacht". Emily zu Peter, und "er war nicht sanft mit ihr". Peter an der Westfront und anschließend bei Peggy schlappgemacht hat. Ein Schuß an der italienischen Front – galt er dir oder galt er mir? – Gerry, der gute Kamerad, ist im Walhalla der Bergsteiger angelangt. Peter aber stürmt und drängt weiter, bis auch der Gipfel des Meru – raffinierte Überraschung! – nicht bezwungen wird, obwohl Peter abermals schlappgemacht hat.

Es begibt sich also viel, beinahe zuviel, und wenn das starke Herz des Helden darüber nicht bricht, sondern sich nur läutert, so mag das an der reinen, dünnen Luft der Gipfelwelt liegen. Eine seelische Landschaft von schwindelerregender Untiefe ersteht hier, in der die Wahrscheinlichkeit abstirbt und nur noch die Binsenwahrheit in den kahlen Felsenritzen ihr Dasein fristet. Von den feuchten Gesteinswänden trieft der Edelmut, und überlebensgroß hebt sich der Hintergrund von den Pappfiguren der sachkundig durchkonstruierten Handlungsträger ab. "Es ist", wie Nestroy sagt, "wirklich erstaunlich, mit so wenig Mitteln gar nichts zu erreichen". Trotzdem – als Reiselektüre, auch für Nichtbergsteiger, lebhaft zu empfehlen; da immerzu etwas passiert, wird es nie langweilig. Rudolf Hermann