Die Verwaltungen der drei Commerzbank-Institute (Commerzbank-Bankverein AG, Düsseldorf; Commerz- und Credit-Bank AG, Frankfurt /Main; Commerz- und Disconto-Bank AG, Hamburg) stehen vor der nicht ganz leichten Aufgabe, ihren Aktionären erklären zu müssen, warum sie für das Geschäftsjahr 1957 trotz der gestiegenen Erträge wieder mit einer Dividende von zwölf v. H. zufrieden sein müssen. Eine plausible Begründung wäre leicht zu finden, wenn man den Aktionären sagen könnte, daß sich nach Ansicht der drei Institute ein Konjunkturrückschlag bereits abzeichnet und daß aus diesem Grunde eine gewisse Zurückhaltung in der Dividendenpolitik am Platze ist. Aber in den gemeinsamen Betrachtungen der drei Commerzbank-Nachfolger, die den Einzelberichten vorangestellt sind, klingt ein echt betonter Optimismus durch und wird gleichzeitig die Prognose gestellt: ein Rückschlag ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Dabei wird auf die hohe Investitionsrate, auf die steigenden Masseneinkommen, rege Spartätigkeit, und auf eine befriedigende Exportentwicklung verwiesen, Man merkt in dem Bericht sehr deutlich, daß die Kommerzbank-Institute keinesfalls die 6konjinkturpessimistischen Stimmen, um eine bereichern sollten.

In den Pressekonferenzen der drei Institute war jedoch herauszuhören, wie sehr man bereits in der Geschäftspolitik der zweifellos veränderten Conjunkturlage Rechnung trägt. Es ist sicherlich nicht allein die Dividendenoptik gewesen, die den Entschluß von der gleichbleibenden Dividende lerbeigeführt hat. Wenn die in 1957 erzielten Mehrgewinne ausschließlich dazu benutzt wurden, die offenen und stillen Reserven zu stärken, dann spielt auch ein gewisses Konsolidierungsbedürfnis eine Rolle. Es ist kein Geheimnis, daß alle drei Commerzbank-Nachfolger in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen haben, um Anschluß an die beiden anderen Großbanken zu halten. Jetzt gilt es, die erreichte Position zu halten und die innere Kraft der Gruppe zu stärken. Auf dieser Linie liegen die Zuweisungen an die offenen Rücklagen, die hoher sind als die ausgewiesenen Reingewinne.

Ernst Rieche, Vorstandsmitglied des Frankfurter Instituts, hat ohne weiteres auf einer Pressekonferenz eingeräumt, daß vom Ertrag her die Ausschüttung einer höheren Dividende möglich gewesen wäre, aber daß die innere Stärkung jetzt einen Vorzug haben müsse. Der überdurchschnittliche Aufschwung bei der Commerz- und Credit-Bank hat die Erhöhung des Grundkapitals (2:1 zu 100 v. H.) unumgänglich gemacht, die jetzt von der HV beschlossen werden soll. Bei der Entscheidung, an der zwölfprozentigen Dividende festzuhalten, hat nicht zuletzt auch die in der Schwebe befindliche Steuergesetzgebung eine Rolle gespielt. Das ging aus den Ausführungen von Dr. Hanns Deuss, Vorstandsmitglied des Bankvereins hervor, der darauf verwies, daß eine Ausgangsbasis von 14 v. H. bei der Weitergabe der zu erwartenden Senkung der Körperschaftsteuer für ausgeschüttete Gewinne an die Aktionäre eine außergewöhnlich hohe Dividende zur Folge hätte. Offenbar scheut man sich aus sozialpolitischen Gründen vor solchen Sätzen – ein Problem, das die gesamte Dividendenpolitik in der Bundesrepublik schwer belastet. Willi Marx, jüngstes Vorstandsmitglied der Commerz- und Disconto-Bank in Hamburg, gab eine weitere Begründung für den Dividendenentschluß. Sie liegt auf kaufmännisch-steuerlichem Gebiet und ist nicht von der Hand zu weisen: Werden die Steuerneuordnungspläne Wirklichkeit, dann wird die Rücklagenbildung im laufenden Geschäftsjahr bereits teurer, denn die Steuern für einbehaltene Gewinne sollen erhöht werden. Deshalb war es opportun, noch im Geschäftsjahr 1957 die billigere Reservenbildung auszunutzen!

Eingangs wurde gesagt, daß die Erträge in 1957 zugenommen haben. Das war aber nur deshalb der Fall, weil sich das Geschäft insgesamt ausgeweitet hat. Im übrigen hat die Diskontpolitik der Notenbank die Zinsspanne fühlbar eingeengt. Sie nähert sich von oben her der Zwei-Prozent-Grenze, erläuterte Dr. Deuss. In Hamburg, wo die Verhältnisse anders gelagert sind als an Rhein und Ruhr, dürfte die Spanne des Bankvereins nicht einmal ganz erreicht worden sein. Einen gewissen Ausgleich hat das Provisionsgeschäft gebracht (Devisen, Effekten, Konsortialgeschäft). Insgesamt haben sich ansehnliche Ertragssteigerungen ergeben. Das läßt sich jedenfalls aus den Steuerposten entnehmen, die in Düsseldorf und Frankfurt beträchtlich angewachsen sind, obwohl hierin keinerlei Steuernachzahlungen enthalten sein sollen. Etwas merkwürdig mutet der Rückgang der Steuerzahlungen beim Hamburger Institut an. Er läßt keinesfalls auf eine gleichlaufende Ertragsentwicklung schließen, so betonte Robert Gebhardt, Vorstandsmitglied derCommerz- und Disconto-Bank, sondern der Rücklauf ist eine Folge der höheren Einnahmen aus steuerfreien Zinsen, sowie der Tatsache, daß in den vorangegangenen Jahren besonders hohe Steuern (Sondersteuern und Nachzahlungen) gezahlt wurden.

Beim Bankverein ist eine bemerkenswerte Umbuchung erfolgt. In der Bilanz per 31. 12. 1956 erschienen die Beteiligungen an den beiden Schwesterinstituten, die damals etwa den Hauptversammlungsmajoritäten entsprachen, noch in dem Posten "Wertpapiere". Inzwischen – es handelt sich nunmehr um echte Mehrheiten – erfolgte die Umbuchung auf das Konto "Beteiligungen", das beim Bankverein infolgedessen von 21,40 auf 69 Mill. DM gestiegen ist. Anhaltspunkte darüber, wie "teuer" dem Bankverein diese Beteiligungen, die teilweise zu sehr hohen Kursen über die Börsen erworben werden, mußten, geworden sind, ergeben – sich aus den Bilanzen nicht. Die Tatsache, daß der Bankverein durch Beteiligungen etwa die Hälfte seines Grundkapitals gebunden hat, bezeichnete Dr. Deuss als unbedenklich, weil diese Summe im Rahmen der Gesamtbilanz nur eine untergeordnete Rolle spielt. Man denke auch vorläufig nicht daran, den einmal eingeschlagenen Weg der kapitalmäßigen und personellen Verflechtung zu verlassen, obwohl eine steuerfreie Fusion noch bis Ende 1958 möglich wäre. K. W.