Von Johannes Jacobi

Das "zeitlose" Kunstwerk bietet keineswegs Entspannungstheater à la "Kraft durch Freude". Es will die Realität überwinden in der Idealität; es verlangt Geist als Ordner des Lebens.

Grundsätzlich ist die Bühne ihrer Aufgabe am nächsten, wenn Themen des Tages auf ihr verhandelt werden. Von Euripides bis Schiller hatten viele "klassische" Dramen aktuelle Anlässe. Aber die Dialektik des "Zeit-Stücks" ist problematisch: Gelingt es einem Dichter, der mit dem Stoff der Gegenwart doch diese selber verändern will, Abstand genug zu gewinnen, damit er objektiv erscheine, wo er subjektiv engagiert ist?

Drei Zeit-Stücke von drei deutschen Autoren sind während des letzten Monats zum erstenmal auf drei verschiedenen Bühnen erschienen. Die drei Schriftsteller haben wunde Stellen in der deutschen Gegenwart aufgespürt. Drei Themen klangen in jedem dieser Stücke auf: Pflicht – Gehorsam – Gewissen. Das sind nun einmal deutsche Themen.

Ob aber diejenigen, die seit Jahren nach dem "deutschen Autor" riefen, nun glücklich sind? Alle drei Autoren schrieben nämlich aus moralischem Zoff über die bundesdeutsche Mentalität. Es sind:

Richard Hey: "Der Fisch mit dem goldenen Dolch" (Uraufführung am Stuttgarter Staatstheater unter der Regie von Dietrich Haugk); Artur Müller: "Die letzte Patrouille?" (Uraufführung am Wiesbadener Staatstheater unter der Regie von Detlof Krüger);

Stefan Andres: "Sperrzonen" (Uraufführung am Oldenburgischen Staatstheater unter der Regie von Ernst Dietz).