B. R.-H., Bielefeld

Große Pläne hat die kleine Landgemeinde Senne l bei Bielefeld. Mutig und forsch beschloß die Mehrheitspartei im dortigen Gemeindeparlament gegen den Protest der übrigen Fraktionen den Bau eines großen Hallenschwimmbades. Die Landgemeinde zählt ganze 13 500 Einwohner, zersplittert und weit auseinanderwohnend; auch liegen die vorhandenen Schulen fast alle weit ab vom zukünftigen kühlen Naß des geplanten Projektes. Aber – ein Bad muß her.

"Wir haben ja 150 000 DM aus den Mehreingängen an Gewerbesteuer zur Verfügung, die sind wie geschaffen dafür", argumentieren die schwimmbad-süchtigen Gemeinderäte. "Das Schwimmbad wird insgesamt nur 700 000 DM kosten, und das Land gibt uns 300 000 DM dazu", ‚rechnen‘ sie und übersehen dabei geflissentlich, daß es auch in ihrem Revier noch an Wohnungen und Schulraum und Turnhallen mangelt. Schließlich: "Wir haben es und wir können es uns auch leisten..."

In der Bundesrepublik ist nach dem Kriege noch kein Hallenschwimmbad für weniger als eine Million Mark gebaut worden. Die laufenden Kosten solcher Bäder sind hoch; die Jahresdefizite chronisch. Selbst Städte mit größerer Einwohnerzahl, günstigeren Voraussetzungen und berechtigter Hoffnung auf regeren Zuspruch zögern heute, sich eine solche Belastung aufzuhalsen. In der Senne schert man sich darum freilich nicht im geringsten. Sind den Gemeindevätern von Senne am Ende die steigenden Steuereingänge zu. Kopf gestiegen?

Es hagelt bereits Proteste gegen das Bauvorhaben. So vom Bund der Steuerzahler: "Größenwahn oder Geldverschwendung?" Doch auch die Nachbargemeinden und -städte sind erbost. Bleibt abzuwarten, ob wirklich die Landesregierung in Düsseldorf bereit und willig ist, für solch ein totgeborenes Kind mit Wasserkopf noch Hebammendienste zu leisten und Hunderttausende von Steuergeldern zu einem Objekt "zuzubuttern", das die besten Aussichten hat, vielleicht recht schön und imponierend, jedoch keinesfalls entsprechend ausgenutzt zu werden.