Wie einst die Hitler-Jugend... Richard, der Bundesführer – Ein „sauberes Lied“ und ein „gesundes Kunstempfinden“

RH-Hamburg

Kürzlich entdeckte der Hausmeister eines Neubaublocks in Hamburg-Barmbek, daß über Nacht die Fassaden mit weißer und gelber Ölfarbe beschmiert worden waren. Zu lesen waren dort die halbmeterhohen Buchstaben JBA. Ein Polizist, der einige Tage später durch Parkanlagen am Dulsberg ging, fand dieselbe Aufschrift an der Einfassung der Sandkiste des Kinderspielplatzes, am Fundament der Rollerbahn und am Wärterhäuschen. Außerdem stand da noch: „Kommt zu uns.“

JBA ist die Abkürzung für den Jugendbund Adler, der schon einmal unangenehm aufgefallen war, als er einige seiner Mitglieder, angetan mit einer Uniform, die an die der Hitler-Jugend erinnert, als Doppelposten am Ehrenmal beim Stephansplatz aufgestellt hatte.

Ein Merkblatt des Adler teilt mit: „Der Jugendbund Adler (JBA) ist ein eingetragener Verein (e. V.) und arbeitet überparteilich und überkonfessionell. Er nimmt Jungen und Mädel im Alter von 9 bis 18 Jahren auf. Der JBA fördert körperliche Ertüchtigung und die Entwicklung des Geistes und der Seele der von ihm erfaßten jungen Menschen. Jungen und Mädel tragen die Bundestracht, die aus silbergrauem Hemd mit schwarzem Halstuch, das mit einem weißen Streifen versehen ist, schwarzer kurzer Hose, bei Mädeln schwarzer Glockenrock, besteht.“

Nun ist es gemäß § 3 des Versammlungsgesetzes verboten, öffentlich Uniform, Uniformteile oder gleichartige Bekleidungsstücke als Ausdruck einer gemeinsamen politischen Gesinnung zu tragen. Ausgenommen von diesem Verbot sind nur Mitglieder von Jugendverbänden, die sich vorwiegend der Jugendpflege widmen. Ob diese Voraussetzung vorliegt, entscheidet der Bundesminister des Innern, wenn ein Jugendbund über die Grenzen eines Landes hinaus tätig ist.

Der „Adler“ teilt mit, daß sich seine Tätigkeit „auf das ganze Bundesgebiet erstreckt“. Doch der JBA hat sich, obwohl er seit drei Jahren besteht, niemals darum bemüht, die Erlaubnis zum Tragen einer Uniform zu bekommen – vermutlich, weil die „Bundesführung“ (Sitz Memmingen im Allgäu) sich darüber im klaren ist, daß niemand glauben kann, der „Adler“ widme sich vorwiegend der Jugendpflege. Aber auf dem Merkblatt steht trotzdem: „Unsere Arbeit wird in Treue zum Grundgesetz der Bundesrepublik und zu den Verfassungen der Bundesländer geleistet.“