Mit der Forderung, in der Frage des Nord-Süd-Kanals den langen Reden endlich die Tat folgen zu lassen, sind die Initiatoren dieses Kanals-Plans an Bundesverkehrsminister Dr. Seebohm herangetreten. Aber auch die Handelskammer Hamburg hat sich für die beschleunigte Aufnahme der Vorarbeiten eingesetzt. Mit dem Nord-Süd-Kanal, der zwischen Gifhorn und Wolfsburg den Mittelland-Kanal mit der Elbe (bei Geesthacht) verbinden soll, würden die Häfen Hamburg und Lübeck endlich eine "vollschiffige" Wasserstraßenverbin- dung in ihr Hinterland erhalten, eine nachteilige Lücke im deutschen Binnenwasserstraßen- netz könnte also geschlossen werden. Neben seinen großen Verkehrsaufgaben würde der Nord-Süd-Kanal noch eine volkswirtschaftliche Aufgabe ersten Ranges übernehmen können: die wirtschaftliche Erschließung des zukunftsreichen Industriegebietes im Räume von Ost-Hannover und Braunschweig. Der Kanal ließe Salzgitter zu einem" Stahlwerk an der Küste" werden und könnte Gifhorns künftigem Erzbergbau als Transportweg und Industriewasser-Zubringer dienen. Aber die Wirtschaftlichkeit der Erdölgewinnung im Lüneburger Bezirk würde sich ebenfalls erhöhen, ganz abgesehen davon, daß sich durch den neuen Kanal der Schiffahrtsweg zwischen Hamburg und Magdeburg um 50 km verkürzt.

Der bereits 1951 in Lüneburg dank privater Initiative gegründete Nordsüdkanal-Verein hat eine gewissenhafte Vorarbeit geleistet. Jetzt aber ist es Sache des Bundesverkehrsministeriums, ein staatliches Vorarbeitenamt einzurichten. Da die Bauarbeiten am Dortmund-Ems-Kanal und an der Mittelweser 1960 zum Abschluß kommen, könnte unmittelbar anschließend im Rahmen des "Schwerpunkt-Programms" für den Wasserstraßenbau der Bau des Nord-Süd-Kanals in Angriff genommen werden. Baufachleute schätzen, daß für die Fertigstellung sechs Jahre notwendig sind; die Kosten dürften sich auf 40 Mill. DM belaufen. Zweifellos wird sich hieran auch Hamburg beteiligen, weil die Hansestadt sich mit aller Energie gegen eine weitere Verkehrsabwanderung wehrt. ww.