Strahlenwirkungen und Strahlenschäden gehören heute zu den aktuellsten und zugleich umstrittensten Themen in allen Kulturländern der Erde. Sie beschäftigen ebenso leidenschaftlich die Parlamente wie die Wissenschaftler selbst; sie betreffen uns alle. Einen beachtlichen Beitrag hat der Direktor des Max-Planck-Instituts für Biophysik in Frankfurt, Professor Rajewsky, mit einem Symposion über dieses Gebiet unternommen. Die Vorträge, die dabei gehalten wurden, sind inzwischen für den Druck ausgearbeitet und liegen vor unter dem Titel:

"Wissenschaftliche Grundlagen des Strahlenschutzes." Herausgegeben von B. Rajewsky. G. Braun Verlag, Karlsruhe. 450 S., 230 Abbildungen und 60 Tabellen, 45 DM.

Zunächst einmal geht es in den 30 Beiträgen darum, sich eine Übersicht über die natürlichen energiereichen Strahlungen, denen der Mensch ausgesetzt ist, zu verschaffen. Diese Strahlungen stammen von radioaktiven Substanzen der Erdhülle, oder es sind Ultrastrahlungen, die aus dem Kosmos auf uns treffen. Seit der Entdeckung der Röntgenstrahlen sind wir aber noch einer wachsenden Strahlenbelastung durch zivilisatorische Einflüsse ausgesetzt. Die steigende Anwendung von Röntgenstrahlen und Isotopen in Wissenschaft, Technik und Medizin hat das "Strahlungsmilieu" verändert.

Die fortgesetzten Atombombenversuche und die zunehmende Errichtung von Kernreaktoren haben der Öffentlichkeit die Bedeutung der Strahlenschädigung und des Strahlenschutzes eindringlich demonstriert. Dabei handelt es sich hier um ebenso ernste wie wissenschaftlich komplizierte Fragen. "Der Mechanismus dieser Schädigungen" – so betont Raiewsky gleich eingangs – "ist vielfach sehr kompliziert und nicht immer völlig geklärt. Vor allem muß man sehr oft mit der Möglichkeit von Spätschäden rechnen, die sich erst, nach Jahren manifestieren. Der Strahlenschutz ist eine gemeinsame Aufgabe der Physiker und Biophysiker, der Biologen und Mediziner und erst dann der Techniker."

Wie verändert sich das Blutbild bei bestimmten Strahlungsdosen? Wie wirken sie auf den Stoffwechsel. und wie verläuft eigentlich der biochemische Wirkungsmechanismus beim Eindringen von Strahlung in den Körper? Welche Methoden und Geräte gibt es heute, um Strahlung zu messen? Kann man mit chemischen Mitteln die schädigende Strahlenwirkung aufheben? Darum etwa geht es in diesem Werk.

Sogar die Rechts- und Versicherungsfragen sind nicht vergessen. Es handelt sich bei dem Band um die erste gründliche und umfassende Bestandsaufnahme in deutscher Sprache. Ärzten, Biologen, Physikern und Technikern, auch Luftschutzfachleuten und Parlamentariern sollte es als sachliche Informationsgrundlage dringend empfohlen werden.

Mit einer speziellen Strahlungsart, mit der kosmischen Höhenstrahlung nämlich, beschäftigt sich