Wenig ist über ein makelloses Büchlein von ungefähr einer Lesestunde, einer melancholischen Lesestunde, zu sagen, falls es der Rezensent sich in den Kopf gesetzt haben sollte, ohne die einzige Vokabel auszukommen, die es wirklich trifft und die er wegen ihrer Abgedroschenheit so ungern im Munde führt. Jedoch lobenc seine Beeindruckung bekunden will er gern nach der Lektüre der Novelle von

Ernest Claes: "Die Mutter und die drei Soldaten"; Verlag Herder, Freiburg; 56 S., 3,80 DM.

Es ist eine wehmütige Geschichte vom Unsinn des Krieges, also eine Geschichte, die offene Türen zwar nicht einrennt, aber sanft eindrückt und im ersten wie im zweiten Weltkrieg spielen könnte, eine zeitlose Geschichte von einer Bäuerin die im feindbesetzten Gebiet drei feindlichen Soldaten Quartier geben muß und ein menschliches Verhältnis zu ihnen findet, als seien sie ihre Söhne. Und da ihr eigener Jüngster fällt, gewinnt dieser Hergang eine um so rührendere Vertiefung.

Indessen ist es das Wort "Rührung" nicht, das der Rezensent zu meiden trachtet, sondern noch ein anderes. Der flämische Erzähler verfügt über volksliedhafte Töne. Argumentationen und psychologische Finessen liegen ihm fern, die Sprache läßt er von selber gewähren. Er riskiert nichts, es ist alles sanft und traurig und beseelt wie ein Lied oder eine Legende, und keineswegs kitschig; es ist makellos und ohne Längen und Breiten, wiewohl auch ohne Anspruch und Aufwühlung, es ist ganz still und... mein Gott, sei es denn, es gibt halt nur das eine Wort dafür: es ist schlicht. Martin Beheim-Schwarzbach